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Wie steht es um die Chancengerechtigkeit in Deutschland?

Vielfalt ist in der deutschen Arbeitswelt längst Normalität: Über 80 Prozent der Beschäftigten erfüllen mindestens ein, fast die Hälfte mehrere Vielfaltsmerkmale. Trotz des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes bestehen Benachteiligungen fort – häufig auch bei Personen mit Behinderungen oder chronischen Erkrankungen.

Ausgewählte Ergebnisse zu Menschen mit Behinderung oder chronischer Erkrankung

  • Rund ein Drittel der Befragten gibt an, eine körperliche, geistige oder psychische Einschränkung oder eine chronische Erkrankung zu haben. Damit ist diese Gruppe – nach Geschlecht und Alter – eine der größten Diversitätsgruppen im deutschen Arbeitsmarkt.
  • Etwa jede zehnte Person (11 %) mit diesem Merkmal berichtet, sich im Beruf benachteiligt zu fühlen. Besonders auffällig: Fast die Hälfte dieser Gruppe stimmt der Aussage „voll und ganz" zu – ein Hinweis auf besonders intensive Diskriminierungserfahrungen.
  • Menschen mit Behinderung oder chronischer Erkrankung zählen zu den am stärksten von Mobbing betroffenen Gruppen. Die Studie weist für diese Dimension – nach Religion/Weltanschauung – den zweitstärksten Mobbing-Effekt aller untersuchten Merkmale aus.
  • Besonders bedeutsam ist der Befund zur Überschneidung von Geschlecht und Behinderung/chronischer Erkrankung: Nicht-cis-männliche Beschäftigte mit diesem Merkmal geben signifikant häufiger Benachteiligung an als cis-männliche Betroffene (13 % gegenüber 7 %). Das zeigt, dass sich mehrere Diversity-Merkmale gegenseitig verstärken können.
  • Jede dritte Person (33 %) mit einer unsichtbaren Einschränkung oder chronischen Erkrankung gibt an, diesen Aspekt ihrer Identität am Arbeitsplatz lieber zu verbergen. Das ist der höchste Wert aller untersuchten Gruppen – zum Vergleich: bei queeren Beschäftigten sind es 21 %, bei nicht-christlich Gläubigen 15 %.
  • Beschäftigte mit Diversity-Merkmal – und damit auch diese Gruppe – berichten signifikant häufiger von starker Erschöpfung (65 % vs. 54 %) und psychischer Belastung (35 % vs. 32 %) als die Referenzgruppe. Bei der stärksten Zustimmungskategorie zur psychischen Belastung ist der Unterschied besonders deutlich (8 % vs. 4 %).
  • Die Studie benennt als Hintergrund auch strukturelle Barrieren: fehlende Barrierefreiheit in Gebäuden und digitalen Systemen, unzureichende Unterstützung im Betrieb sowie ein nach wie vor wirksames Stigma.

Methodik

Veröffentlicht: März 2026
Datenstand: 2024/2025
Methodik: An der eigens für das Projekt durchgeführten Befragung haben über 2.500 abhängig Beschäftigte teilgenommen haben. Die gewichtete Stichprobe ist repräsentativ für abhängig Beschäftigte in Betrieben ab fünf Mitarbeiter*innen.
Um die sechs Dimensionen des AGG abzudecken, wurden die Teilnehmenden gefragt, ob sie selbst oder mindestens ein Elternteil nicht in Deutschland geboren wurden oder Kolleginnen und Kollegen ihnen eine Einwanderungsgeschichte zuschreiben, ob sie weiblich, trans oder divers sind, ob sie einer nicht-christlichen Religion angehören, ob sie eine körperliche, geistige oder psychische Einschränkung oder chronische Erkrankung haben, ob sie unter 30 oder über 59 Jahre alt sind und ob sie sich als queer identifizieren.