Erwerbsteilhabe im Vergleich: ungünstigere Arbeitsbedingungen für Beschäftigte mit niedrigerem Grad der Behinderung
Das Faktenblatt untersucht die Arbeitssituationen von Beschäftigten mit unterschiedlich schwerem Grad der Behinderung (GdB) auf dem ersten Arbeitsmarkt. Die Analyse zeigt, dass Beschäftigte mit einem GdB von mindestens 50 seltener von körperlichen und psychischen Arbeitsanforderungen sowie Belastungen betroffen sind als Beschäftigte mit einem GdB von unter 50. Zudem verfügen sie über mehr Ressourcen im Arbeitskontext.
Ausgewählte Ergebnisse
- Von den befragten Beschäftigte mit einem GdB von mindestens 50 arbeiten weniger in Vollzeit als diejenigen mit einem GdB von unter 50 (59 % gegenüber 71 %) und haben etwas seltener unbefristete Arbeitsverträge (89 % gegenüber 94 %).
- Bei den Wirtschaftsbereichen fällt auf, dass Beschäftigte mit einem GdB von mindestens 50 häufiger im Dienstleistungssektor (31 % gegenüber 26 %) arbeiten, aber deutlich seltener in der Industrie (12 % gegenüber 23 %) als Beschäftigte mit einem GdB von unter 50.
- Die Betrachtung der körperlichen Arbeitsanforderungen zeigt, dass Beschäftigte mit einem GdB von mindestens 50 seltener vom Arbeiten im Stehen (45 % gegenüber 54 %) sowie vom Heben und Tragen schwerer Lasten berichten (15 % gegenüber 21 %).
- Beschäftigte mit einem GdB von unter 50 geben häufiger an, sich von körperlichen Arbeitsanforderungen belastet zu fühlen, als Beschäftigte mit einem GdB von mindestens 50.
- Dieses Muster ist auch bei psychischen Arbeitsanforderungen zu finden. Beschäftigte mit einem GdB von mindestens 50 berichten seltener von Termin- und Leistungsdruck (41 % gegenüber 47 %), Unterbrechungen (42 % gegenüber 50 %), Multitasking (54 % gegenüber 65 %) oder stark vorgeschriebenen Arbeitsaufgaben (32 % gegenüber 34 %).
- Auch geben sie seltener an, sich durch diese Anforderungen belastet zu fühlen. Eine Ausnahme sind ständig wiederkehrende Arbeitsvorgänge: Diese kommen bei Beschäftigten mit einem GdB von mindestens 50 häufiger vor (58 % gegenüber 48 %).
- Das Belastungsempfinden ist jedoch auch hier bei Beschäftigten mit einem GdB von unter 50 höher.
- Die Auswertungen ausgewählter arbeitsbezogener Ressourcen verstärken den Eindruck, dass Beschäftigte mit einem GdB unter 50 unter ungünstigeren Bedingungen arbeiten als diejenigen mit einem GdB von mindestens 50.
- So geben Beschäftigte mit einem GdB von unter 50 an, ihre Arbeit weniger häufig selbst planen und einteilen zu können (57 % gegenüber 67 %), geringeren Einfluss auf die Arbeitsmenge zu haben (26 % gegenüber 35 %) und seltener über den Zeitpunkt ihrer Pause bestimmen zu können (56 % gegenüber 65 %).
- Außerdem erhalten sie von der direkten Führungskraft seltener Unterstützung (58 % gegenüber 65 %) sowie Lob und Anerkennung (31 % gegenüber 43 %). Nur die Unterstützung durch Kolleginnen und Kollegen wird von Beschäftigten mit einem GdB von unter 50 als etwas höher eingeschätzt (79 % gegenüber 77 %).
Methodik
Veröffentlicht: November 2025
Datenstand: 2024
Methodische Hinweise: Die Auwertungen basieren auf der BIBB/BAuA-Erwerbstätigenbefragung 2024: Von den 18.022 abhängig Beschäftigten zwischen 15 und 66 Jahren, die an der Befragung teilgenommen haben, haben insgesamt 1.726 Personen eine amtlich anerkannte Behinderung. Darunter sind 761 Personen mit einem GdB von mindestens 50, 954 Personen mit einem GdB von unter 50 und 11 Personen ohne Angabe.