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Chronische Erkrankungen am Arbeitsplatz

Die Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft, die Aidshilfe und die Deutsche Rheuma-Liga wollten mit dieser Umfrage herausfinden, mit welchen Schwierigkeiten Menschen mit einer chronischen Erkrankung im Arbeitsleben konfrontiert sind, welche Erfahrungen sie mit Unterstützung gemacht haben und was sie sich für Unterstützung wünschen.

Ausgewählte Ergebnisse

  • Mehr als vier von fünf Teilnehmenden (82,6 %) gingen zum Zeitpunkt der Befragung einer bezahlten Tätigkeit nach.
  • Fast die Hälfte der Teilnehmenden war schwerbehindert und etwa 10 % waren Schwerbehinderten gleichgestellt. Etwa ein Viertel der Befragten hatte keinen festgestellten Grad der Behinderung.
  • Insgesamt sind 88,2 % mit ihrer Erkrankung offen am Arbeitsplatz umgegangen.
  • Bei den meisten Teilnehmenden ist die chronische Erkrankung während der aktuellen Tätigkeit eingetreten (63,4 % ).
  • Für etwa ein Viertel der beschäftigtenTeilnehmenden hatten sich durch die Erkrankung keine Veränderungen auf der Arbeit ergeben, aber etwas mehr als ein Fünftel berichtete von Arbeitsplatzanpassungen und 18,5 % hatten ihren Beruf oder Aufgabenbereich gewechselt.
  • Diejenigen ohne Job waren im letzten Jahr ihrer Tätigkeit vermehrt längere Zeit krankgeschrieben. Außerdem gab es bei ihnen weniger häufig Anpassungen des Arbeitsplatzes, die die Lage vielleicht hätten verbessern können.
  • Geradezu erschreckend ist eine Zahl: 25 % derjenigen, die zum Zeitpunkt der Befragung in keinem Beschäftigungsverhältnis standen, wurden in ihrem vorherigen Arbeitsverhältnis gekündigt. Und 34,1 % haben ihre Berufstätigkeit komplett aufgegeben.
  • Die meisten Teilnehmenden (74,1 %), die zum Zeitpunkt der Befragung einer Beschäftigung nachgingen, waren mit ihrer Arbeit eher zufrieden oder sehr zufrieden.
  • 43,6 % der Befragten in einem Beschäftigungsverhältnis wünschten sich, dass  ihre Arbeitgeber mehr Informationen über ihre Erkrankung und die Auswirkungen auf den Arbeitsplatz hätten.
  • FAZIT der Befragung: Die Ergebnisse zeigen deutlich, dass Menschen mit einer chronischen Erkrankung in der Arbeitswelt vielfältige Herausforderungen zu bewältigen haben, seien es individuelle krankheitsbedingte Schwierigkeiten oder psychosoziale Schwierigkeiten. Das vielfältige Unterstützungssystem in Deutschland für Arbeitnehmende mit einer chronischen Erkrankung wird nicht in seiner Gänze genutzt, da Rechte und Pflichten sowie Unterstützungsmöglichkeiten zu unbekannt sind.

Methodik

Veröffentlicht: 2020
Datenstand: 2018
Methodische Hinweise: Die NRW-Landesverbände der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft (DMSG), der Aidshilfe und der Deutschen Rheuma-Liga haben die Befragung im Rahmen des Projektes „Chronische Erkrankungen am Arbeitsplatz“ zwischen Dezember 2017 und März 2018 gemeinsam durchgeführt.

Von den 1.280 Teilnehmenden der Befragung gaben 533 an, eine Form von Rheuma zu haben, 447 waren an Multipler Sklerose erkrankt und 128 waren HIV-positiv, wobei Mehrfachantworten möglich waren.