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Chronische Erkrankungen am Arbeitsplatz

Hier finden Sie Informationen aus einer Umfrage des Projekts „AmiChro – Arbeiten mit chronischer Erkrankung“ der Universität Köln sowie der Umfrage „Chronische Erkrankungen am Arbeitsplatz“ der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft, der Aidshilfe und der Deutsche Rheuma-Liga.

Das Projekt „AmiChro – Arbeiten mit chronischer Erkrankung“ hatte zum Ziel, Bedingungen zu identifizieren, die ein gesundheitsgerechtes und -förderliches Arbeiten ermöglichen – sowohl auf individueller als auch auf organisationaler Ebene. An der Befragung haben Beschäftigte mit verschiedenen chronischen Erkrankungen teilgenommen, insbesondere mit Stoffwechselerkrankungen, Muskel- und Gelenkerkrankungen, Magen-, Darm- und Lebererkrankungen sowie psychischen Erkrankungen.

Ausgewählte Ergebnisse

  • 44 % der befragten Personen waren schwerbehindert, 10 % gleichgestellt und 45 % hatten keine anerkannte Behinderung.
  • Rund die Hälfte der Befragten arbeitete in Vollzeit (52 %), der Rest in Teilzeit (48 %).
  • Etwa jede vierte Person hatte eine Führungsposition.
  • 82 % gaben an, eine (teilweise) nicht sichtbare Erkrankung zu haben.
  • Die meisten Teilnehmenden konnten im letzten Monat die wichtigsten Aufgaben (81 %) sowie standardmäßige Abläufe (77 %) oft oder sehr oft gut erledigen und haben oft oder sehr oft dafür gesorgt, dass ihre Aufgaben ordnungsgemäß abgeschlossen wurde.
  • 95 % der Mitarbeitenden, die sich im letzten Monat an mindestens einem Arbeitstag krank gefühlt haben, haben trotz Krankheitsgefühl gearbeitet.
  • 94 % der befragten Führungskräfte gaben an, im letzten Monat an mindestens einem Tag trotz Krankheitsgefühl gearbeitet zu haben. 52 % arbeiteten sogar trotz schwerer bis extrem schwerer Symptome. Rund ein Fünftel bewertete die Entscheidung, arbeiten zu gehen, als positiv.

Methodik

Veröffentlicht: 2026
Datenstand: 2025
Methodische Hinweise: Die Daten wurde im Rahmen des Forschungsprojekts „AmiChro – Arbeiten mit chronischer Erkrankung“ erhoben. Das Projekt wurde von 2023 bis 2025 vom Lehrstuhl für Arbeit und berufliche Rehabilitation der Universität zu Köln in Kooperation mit der BAG SELBSTHILFE e. V. durchgeführt und durch den BKK Dachverband gefördert. Das Projekt hatte zum Ziel, Bedingungen zu identifizieren, die ein gesundheitsgerechtes und -förderliches Arbeiten ermöglichen – sowohl auf individueller als auch auf organisationaler Ebene.

Insgesamt 1.175 Mitarbeitende mit chronischer Erkrankung nahmen im März 2025 an einer Online-Befragung im Rahmen des Projektes teil. Die Teilnehmenden wurden zu ihren Erfahrungen mit Arbeiten mit chronischer Erkrankung, zu benötigten Unterstützungsangeboten, zu Ressourcen sowie zu ihrer Entscheidung befragt, wann sie trotz Krankheitsgefühl arbeiten gehen und wann nicht.

Die Teilnehmenden waren zwischen 20 und 67 Jahre alt, im Durchschnitt 46 Jahre. Der überwiegende Teil beschrieb sich als weiblich (79%), gefolgt von männlich (20%) sowie divers oder ohne Angabe (1%).

Die Verbände wollten mit ihrer Umfrage herausfinden, mit welchen Schwierigkeiten Menschen mit einer chronischen Erkrankung im Arbeitsleben konfrontiert sind, welche Erfahrungen sie mit Unterstützung gemacht haben und was sie sich für Unterstützung wünschen.

Ausgewählte Ergebnisse

  • Mehr als vier von fünf Teilnehmenden (82,6 %) gingen zum Zeitpunkt der Befragung einer bezahlten Tätigkeit nach.
  • Fast die Hälfte der Teilnehmenden war schwerbehindert und etwa 10 % waren Schwerbehinderten gleichgestellt. Etwa ein Viertel der Befragten hatte keinen festgestellten Grad der Behinderung.
  • Insgesamt sind 88,2 % mit ihrer Erkrankung offen am Arbeitsplatz umgegangen.
  • Bei den meisten Teilnehmenden ist die chronische Erkrankung während der aktuellen Tätigkeit eingetreten (63,4 % ).
  • Für etwa ein Viertel der beschäftigtenTeilnehmenden hatten sich durch die Erkrankung keine Veränderungen auf der Arbeit ergeben, aber etwas mehr als ein Fünftel berichtete von Arbeitsplatzanpassungen und 18,5 % hatten ihren Beruf oder Aufgabenbereich gewechselt.
  • Diejenigen ohne Job waren im letzten Jahr ihrer Tätigkeit vermehrt längere Zeit krankgeschrieben. Außerdem gab es bei ihnen weniger häufig Anpassungen des Arbeitsplatzes, die die Lage vielleicht hätten verbessern können.
  • Geradezu erschreckend ist eine Zahl: 25 % derjenigen, die zum Zeitpunkt der Befragung in keinem Beschäftigungsverhältnis standen, wurden in ihrem vorherigen Arbeitsverhältnis gekündigt. Und 34,1 % haben ihre Berufstätigkeit komplett aufgegeben.
  • Die meisten Teilnehmenden (74,1 %), die zum Zeitpunkt der Befragung einer Beschäftigung nachgingen, waren mit ihrer Arbeit eher zufrieden oder sehr zufrieden.
  • 43,6 % der Befragten in einem Beschäftigungsverhältnis wünschten sich, dass  ihre Arbeitgeber mehr Informationen über ihre Erkrankung und die Auswirkungen auf den Arbeitsplatz hätten.
  • FAZIT der Befragung: Die Ergebnisse zeigen deutlich, dass Menschen mit einer chronischen Erkrankung in der Arbeitswelt vielfältige Herausforderungen zu bewältigen haben, seien es individuelle krankheitsbedingte Schwierigkeiten oder psychosoziale Schwierigkeiten. Das vielfältige Unterstützungssystem in Deutschland für Arbeitnehmende mit einer chronischen Erkrankung wird nicht in seiner Gänze genutzt, da Rechte und Pflichten sowie Unterstützungsmöglichkeiten zu unbekannt sind.

Methodik

Veröffentlicht: 2020
Datenstand: 2018
Methodische Hinweise: Die NRW-Landesverbände der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft (DMSG), der Aidshilfe und der Deutschen Rheuma-Liga haben die Befragung im Rahmen des Projektes „Chronische Erkrankungen am Arbeitsplatz“ zwischen Dezember 2017 und März 2018 gemeinsam durchgeführt. Von den 1.280 Teilnehmenden der Befragung gaben 533 an, eine Form von Rheuma zu haben, 447 waren an Multipler Sklerose erkrankt und 128 waren HIV-positiv, wobei Mehrfachantworten möglich waren.