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Bibliographische Angaben zur Publikation

Prävention, Rehabilitation und Teilhabepraxis der gesetzlichen Unfallversicherung


Autor/in:

Welti, Felix


Herausgeber/in:

k. A.


Quelle:

Die BG, 2009, 121. Jahrgang (Heft 9), Seite 401-406, Berlin: Schmidt, ISSN: 0723-7561


Jahr:

2009



Abstract:


Seit Anfang Juli 2001 hat das SGB IX die Rechtsgrundlagen der Leistungen zur Rehabilitation und Teilhabe in Deutschland erweitert und erneuert. Es gilt zusammen mit den Leistungsgesetzen für alle Rehabilitationsträger, auch für die Träger der gesetzlichen Unfallversicherung. Ziele des SGB IX sind Selbstbestimmung und gleichberechtigte Teilhabe der behinderten und von Behinderung bedrohten Menschen.

Das SGB IX soll besonders im Fall der trägerübergreifenden Kooperation, neue Möglichkeiten für die Unfallversicherung schaffen. Solange nichts Abweichendes geregelt ist, müssen sich die Unfallversicherungsträger in vollem Umfang nach dem SGB IX richten. Das soll jedoch nicht heißen, dass sich der Leistungsstandard der Unfallversicherung vermindert. Denn um eine umfassende Entschädigung zu gewährleisten, gelten leistungsrechtliche Restriktionen für den Bereich der Unfallversicherung nicht.

Servicestellen, die vom Rehabilitationsträger eingerichtet werden, sollen helfen Zuständigkeiten zu klären, Orientierungshilfen bieten und erforderliche Leistungen koordinieren. Der Autor bemängelt jedoch, dass die Servicestellen ihrer Funktion als Anlaufstellen nicht genügend nachkommen, obwohl dieses für die Träger der Unfallversicherung nur von Vorteil wäre.

Ob die gesetzliche Unfallversicherung für einen Rehabilitationsbedarf zuständig ist, muss sie innerhalb von zwei Wochen prüfen. Wenn sie keine Zuständigkeit feststellen kann, so muss sie den Versicherungsfall an den zuständigen Träger vermitteln. Ist die Zuständigkeit geklärt, muss der Rehabilitationsbedarf festgestellt werden. Gemäß § 10 Absatz 1 SGB IX muss der Rehabilitationsbedarf so festgestellt werden, dass die Leistungen nahtlos ineinander übergehen.

Gemeinsam mit anderen Trägern hat der Unfallversicherungsträger dafür zu sorgen, dass dem Versicherungsnehmer eine umfassende Teilhabe am Leben in der Gesellschaft zügig, wirksam und wirtschaftlich ermöglicht wird. In welchem Umfang Rehabilitationsleistungen von der Krankenkasse übernommen werden, regelt das SBG IX. Es besagt, dass alle geeigneten Mittel, die zum Entschädigungszweck und zum Teilhabeziel beitragen, eingesetzt werden sollen.

Das Wunsch- und Wahlrecht soll dem Versicherungsnehmer mehr Freiheit bei der Gestaltung der Leistungen zur Teilhabe ermöglichen und muss bei der Ausführung der Leistungen von den Versicherungsträgern berücksichtigt werden. Unfallversicherungsträger müssen laut § 34 Absatz 8 Satz 2 SGB VII einheitliche Verträge mit Diensten und Einrichtungen die Rehabilitationsleistungen schließen. Besonders den Unfallversicherungsträgern sollte, nach Meinung des Autors, daran gelegen sein, dass gewisse Qualitätsstandards und Grundsätze angemessener Vergütung trägerübergreifend mit den Leistungserbringern geregelt werden.

Das Persönliche Budget als neue Form der Leistungserbringung soll Leistungen zur Teilhabe und zur Pflege trägerübergreifend in einem Geldbetrag zusammenfassen. Dabei ist nur ein Rehabilitationsträger für die Koordination aller Leistungen zuständig. Er schließt mit der leistungsberechtigten Person Teilhabeziele und Verwendungszwecke ab, sodass sie selbstständig über ihre benötigten Leistungen bestimmen kann. Zudem haben die Rehabilitationsträger dafür zu sorgen, dass eine bedarfsgerechte und barrierefreie Infrastruktur zur Realisierung der Leistungen zur Teilhabe zur Verfügung steht.

Ein wichtiger Bestandteil des SGB IX ist die präventive Orientierung der Leistungen zur Teilhabe. Das heißt, dass das vorrangige Ziel der Rehabilitation nicht nur der Ausgleich von Behinderungen ist sondern auch diese schon vorher abzuwenden. Gerade die präventive Ausrichtung von Leistungen erfordert eine stärkere Kooperation mit anderen Leistungsträgern. Würden diese in der Praxis umgesetzt, bedürfe es keines Präventionsgesetzes, so der Autor.

Besonders beim Betrieblichen Eingliederungsmanagement (BEM) ist eine engere Kooperation der Rehabilitationsträger sinnvoll. Durch die gemeinsamen Servicestellen kann man kleineren und mittleren Betrieben eine externe aber ortsnahe Betreuung bieten, damit sowohl Beschäftigten als auch Arbeitgebern geholfen werden kann. Zusätzlich sollten die Träger der Unfallversicherung ihre Kompetenz in betriebsnaher Rehabilitationsberatung in die trägerübergreifende Zusammenarbeit einbringen, um ein effektives Betrieblichen Eingliederungsmanagement zu ermöglichen.

In einem abschließenden Fazit kommt Felix Welti zu dem Schluss, dass der trägerübergreifende und präventive Ansatz des SBG IX auch für die Unfallversicherung noch viele Chancen bietet, besonders in Verbindung mit der Behindertenrechtskonvention der Vereinten Nationen. Aber nur wenn die Position des kranken und behinderten Menschen gestärkt und die leistungsfähigen Teilsysteme der Rehabilitation enger miteinander verknüpft würden, könnten diese Potenziale ausgeschöpft werden.


Weitere Informationen:


Schlagworte:
Informationen in der ICF:


Dokumentart:


Zeitschriftenbeitrag




Bezugsmöglichkeit:


Betriebliche Prävention (vormals BPUVZ, die BG)
Homepage: https://www.beprdigital.de/archiv.html

Um Literatur zu beziehen, wenden Sie sich bitte an Bibliotheken, die Herausgeber, den Verlag oder an den Buch- und Zeitschriftenhandel.



Referenznummer:

R/ZS0156/7674


Informationsstand: 28.10.2009

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