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Bibliographische Angaben zur Publikation

Trainierbarkeit von Patienten mit chronischen Rückenbeschwerden in einer funktionsorientierten Rehabilitation: Wie wichtig sind Hinweise auf eine Symptomausweitung?


Autor/in:

Oesch, Peter; Bircher, S.; Bachmann, Stefan [u. a.]


Herausgeber/in:

k. A.


Quelle:

Physikalische Medizin, Rehabilitationsmedizin, Kurortmedizin, 2003, 13. Jahrgang (Heft 3), Seite 149-158, Stuttgart: Thieme, ISSN: 0940-6689


Jahr:

2003



Abstract:


Fragestellung:

Funktionsorientierte Rehabilitationsprogramme sind empfohlen, um die physische Leistungsfähigkeit von Patienten mit chronischen Rückenbeschwerden zu verbessern. Ein Teil dieser Patienten zeigt Hinweise auf Symptomausweitung (Symptom Magnification Syndrome [SMS]). Dies ist ein invalidisierendes, unter dem Einfluss sozialer Faktoren erlerntes und aufrechterhaltendes Verhaltensmuster. In dem Beitrag wird untersucht, ob ein aktives und leistungsorientiertes dreiwöchiges Rehabilitationsprogramm die körperliche Leistungsfähigkeit und das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten bei Rückenpatienten mit und ohne Hinweise auf Symptomausweitung gleich beeinflusst.

Material und Methode:

Prospektive Kohortenstudie mit 20 Patienten mit chronischen lumbalen Rückenschmerzen zugewiesen für ein Ergonomietrainingsprogramm. Die Patienten wurden eingangs bezüglich Symptomausweitung untersucht und anschließend zwei Gruppen (Gruppe SMS = starke Hinweise, Vergleichsgruppe = keine Hinweise) zugeteilt. Bei Eintritt und Austritt wurde die körperliche Leistungsfähigkeit beurteilt und die subjektiv empfundene Behinderung erfasst.

Ergebnisse:

Die Patienten der Gruppe SMS zeigten sich bei Eintritt und Austritt in allen Messmethoden signifikant (p < 0, 05) schlechter als die Patienten der Vergleichsgruppe und wiesen eine signifikant stärkere psychosoziale Belastung auf (c*c < 0,5). Diese Gruppenunterschiede zeigten sich bei Behandlungsabschluss unverändert oder gar verschlechtert.

Schlussfolgerung:

Aufgrund einer Gruppenbildung bei Patienten mit chronischen Rückenbeschwerden, basierend auf den Hinweisen auf Symptomausweitung, zeigen sich signifikante Unterschiede bezüglich der physischen Leistungsfähigkeit wie auch der psychosozialen Belastungsfaktoren. Die Zunahme dieser Unterschiede der physischen Leistungsfähigkeit nach einem 3-wöchigen Ergonomietrainingsprogramm lässt sich nicht durch die unspezifische Rückenpathologie erklären. Bei Patienten mit Hinweisen auf eine Symptomausweitung scheinen nicht medizinische Probleme, sondern psychosoziale Faktoren im Vordergrund zu stehen. Diese können mit den beschriebenen Rehabilitationsmaßnahmen nicht verändert werden.


Weitere Informationen:


Englisches Abstract:

Reconditioning of Patients with Chronic Back Pain: The Importance of Indicators for Symptom Magnification Syndrome


Abstract:


Purpose:

Rehabilitation programs requiring exercise tolerance are recommended to improve the physical capacity of patients with chronic low back pain (CLBP). Some of these patients show signs of the Symptom Magnification Syndrome (SMS), representing a conscious or unconscious self-destructive, socially reinforced behavioural pattern. The purpose of this study is to investigate if CLBP patients with and without indicators for SMS benefit in the same way from an intensive function and training oriented rehabilitation program.

Material and methods:

Prospective cohort study with 20 CLBP patients assigned to a 3-week ergonomic training program. Patients were screened for SMS and assigned to two groups (group SMS = strong indicators, comparison group = no indicators). Treatment was equal in both groups. At entry and at discharge, physical capacities and self-rated disability of all patients were evaluated.

Results:

Group SMS showed significantly worse results (p < 0.05) than the comparison group in all measuring methods at entry and at discharge, as well as an accumulation of psycho-social problems (c*c < 0.05). These differences between the two groups were unchanged or even increased after completion of the program.

Conclusions:

The classification by indicators for SMS in a group of CLBP patients leads to significant differences in physical capacity and psycho-social problems between the two groups. The increase of these differences in physical capacity during a 3-week rehabilitation program cannot be explained by the pathology. The high incidence of psycho-social problems in the group with with indicators for SMS seems to play an important role for this negative treatment result. It can be concluded that in the presence of strong indicators for SMS a function and training oriented rehabilitation program is not indicated.


Schlagworte:
Informationen in der ICF:


Dokumentart:


Zeitschriftenbeitrag / Forschungsergebnis




Bezugsmöglichkeit:


Physikalische Medizin, Rehabilitationsmedizin, Kurortmedizin
Homepage: https://www.thieme.de/de/physikalische-rehabilitations-kuror...

Um Literatur zu beziehen, wenden Sie sich bitte an Bibliotheken, die Herausgeber, den Verlag oder an den Buch- und Zeitschriftenhandel.



Referenznummer:

R/ZS0152/0008


Informationsstand: 29.07.2003

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