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Bibliographische Angaben zur Publikation

Begutachtungsproblem Adipositas - sozialmedizinische Bedeutung


Autor/in:

Weber, Andreas


Herausgeber/in:

k. A.


Quelle:

Der Medizinische Sachverständige (MedSach), 2015, 111. Jahrgang (Heft 5), Seite 208-213, Stuttgart: Gentner, ISSN: 0025-8490


Jahr:

2015



Abstract:


Die Adipositas (BMI ? 30), eine komplexe chronische Stoffwechselerkrankung, stellt insbesondere in ihrer höhergradigen Ausprägung (BMI ab 40) eine gesundheitliche und gesellschaftliche Herausforderung ersten Ranges dar. In Deutschland leidet mittlerweile mehr als jeder fünfte Erwachsene an einer Adipositas (Frauen: 24 %, Männer: 23 %).

Ätiologisch werden zahlreiche biopsychosoziale Faktoren diskutiert, die prioritär auf Verhalten (unter anderem falsche Ernährung, mangelnde Bewegung, Stress, Frust) oder Biologie und Genetik fokussieren, während Verhältnisse (Bildung, Einkommen, Beruf, Wohnquartier, Arbeitslosigkeit, prekäre Lebenslagen) bislang eher unterbewertet werden.

Dies verwundert insofern, als dass sich auch in Deutschland ein eindeutiger sozialer Gradient ('top down') nachweisen lässt. Die medizinischen, sozialen und ökonomischen Folgen der morbiden Adipositas sind für Individuum (Risikoerhöhung für Erkrankungen diverser Organsysteme, Beeinträchtigung der Lebensqualität mit vorzeitigem Tod) und Arbeitswelt, Versorgungs- und soziales Sicherungssystem (z.B. direkte/indirekte Gesundheitskosten, Produktivitätsverlust, Arbeitsunfähigkeit, Return to Work, Frühinvalidität, Ausgliederung, Arbeitslosigkeit)von erheblicher Bedeutung.

So werden die durch Adipositas verursachten, direkten jährlichen Krankheitskosten in Deutschland auf > 10 Milliarden Euro geschätzt, während die indirekten Kosten durch Arbeitsunfähigkeit und Produktivitätseinbußen ca. 2 Milliarden Euro ausmachen. Darüber hinaus wurde in internationalen Studien bei Beschäftigten mit Adipositas ein höheres Risiko für Arbeitsunfähigkeit und eine längere Ausfalldauer im Vergleich zu Normgewichtigen objektiviert.

Auch im Hinblick auf ein vorzeitiges krankheitsbedingtes Ausscheiden aus dem Erwerbsleben (Frühinvalidität) ist die Adipositas infolge ihrer leistungseinschränkenden Komorbiditäten von zunehmender Relevanz. Programme der betrieblichen Gesundheitsförderung (BGF) zeigten bei adipösen Arbeitnehmern allenfalls moderate Effekte auf AU-Reduktion und Produktivität, so dass der Return on Investment derzeit fraglich bleibt.

Auch in der beruflichen Rehabilitation kommt der morbiden Adipositas als Integrationshemmnis für eine erfolgreiche Reintegration wachsende Praxisrelevanz zu. Initiiert durch aktuelle Urteile deutscher Gerichte und des Europäischen Gerichtshofes wird derzeit auch die Bedeutung der Adipositas für den Arbeitsmarkt intensiv diskutiert.

Der Beitrag beleuchtet anhand diverser statistischer Daten und neuerer wissenschaftlicher Untersuchungen ausgewählte Aspekte der sozialen Dimension von Adipositas.


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Schlagworte:
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Dokumentart:


Zeitschriftenbeitrag




Bezugsmöglichkeit:


Der Medizinische Sachverständige (MedSach)
Homepage: https://www.medsach.de

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Referenznummer:

R/ZS0151/0164x01


Informationsstand: 10.09.2015

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