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Bibliographische Angaben zur Publikation

Rehabilitationsdefizite postlingual schwerhörig oder taub gewordener Menschen - aus der Sicht einer Betroffenen


Autor/in:

Pahlke, Traudel


Herausgeber/in:

Deutscher Schwerhörigenbund e.V. (DSB)


Quelle:

DSBreport, 2000, Heft 3, Solingen: Kornel Mierau, ISSN: 0172-7753


Jahr:

2000



Abstract:


Von ihrer Auswirkung auf die Lebensqualität der Betroffenen aus gesehen ist Schwerhörigkeit in erster Linie eine Kommunikationsstörung. Gut Hörende können die psychische Belastung, die sich daraus ergibt, schlechterdings nicht nallvollziehen. Nicht-hören-können kann man nicht simulieren. Mit geschlossenen Augen kann man sich vorstellen, wie es ist, blind zu sein; wenn man sich in einen Rollstuhl setzt, kann man die Probleme Mobilitätsbehinderter in etwa nachvollziehen.

Das menschliche Ohr lässt sich nicht probeweise abschalten. Die taubblinde Hellen Keller sagte: 'Blindheit trennt von Dingen, Taubheit trennt von Menschen.' Ohne Kommunikation ist ein Zusammenleben (nicht ein Nebeneinanderher-Leben) von Menschen nicht möglich. Hörgeschädigte leiden meist nicht in erster Linie darunter, dass ihnen im Gespräch die tatsächliche Information entgeht, sondern dass sie durch das Nichtverstehen ausgegrenzt sind. Diese innere Einsamkeit ist für die meisten Betroffenen nur schwer zu ertragen. Werner Richtberg nennt daher Schwerhörigkeit ein psychosoziales Leiden.

Hörschädigung ist eine unsichtbare Behinderung, es hat ein schlechtes Image. Nicht zufällig haben die Worte 'taub' und 'doof' im Niederdeutschen dieselbe Sprachwurzel. Es ergibt sich ein Teufelskreis: Schwerhörige verstehen etwas falsch, geben unpassende Antworten. Da der gut hörende Gesprächspartner den Grund nicht kennt, hält er sein Gegenüber für 'doof'.

Wenn bei einem Patienten eine Schwerhörigkeit festgestellt wird, für die medizinisch keine Besserung erreicht werden kann, so wird er heute nach eventueller Verordnung und Anpassung eines Hörgerätes, versehen mit den guten Wünschen des HNO-Arztes für seine Zukunft, meist allein gelassen.

Wenn Patienten mit einer Schwerhörigkeit eine Rehabilitation erhalten, dann sollte die Rehabilitation folgende Teilbereiche umfassen:

1) Absehen: Nicht alle Laute können vom Mund abgelesen werden. Es muss geübt werden, das, was absehbar ist, zu erkennen und durch Kombination zu einem Sprachverstehen zu kommen.
2) Einführung in Lautsprachbegleitende Gebärden (LBG).
3) Hörtraining
4) Hörtaktik
5) Sprachpflege
6) Anwendung technischer Hilfen
7) Entspannungstraining
8) Psychische Unterstützung bei der Krisenbewältigung


Weitere Informationen:


Schlagworte:
Informationen in der ICF:


Dokumentart:


Zeitschriftenbeitrag




Bezugsmöglichkeit:


DSBreport
Das Erscheinen der Zeitschrift wurde 2010 eingestellt.
Homepage: https://www.schwerhoerigen-netz.de/

Um Literatur zu beziehen, wenden Sie sich bitte an Bibliotheken, die Herausgeber, den Verlag oder an den Buch- und Zeitschriftenhandel.



Referenznummer:

R/ZS0129/0035


Informationsstand: 22.01.2001

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