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Bibliographische Angaben zur Publikation

Mit Fleiß und Willenskraft

Landesqualifizierung sichert nicht nur Margot G. die Rückkehr ins Ewerbsleben



Autor/in:

Eßer, Karl-Albert


Herausgeber/in:

Deutscher Blinden- und Sehbehindertenverband e.V. (DBSV)


Quelle:

Die Gegenwart, 2000, 54. Jahrgang (Heft 6), Seite 13-14, Bonn: Eigenverlag


Jahr:

2000



Abstract:


Ich habe Glück gehabt, erklärt Margot G. spontan, wenn sie nach ihrer neuen Arbeitsstelle befragt wird. 'Das Umfeld ist positiv und die Arbeit interessant, auch wenn am Anfang eine Menge auf mich einstürmte.' Die 46-Jährige, die von Geburt an sehbehindert ist, arbeitet seit Jahresbeginn bei der Polizei in Köln und ist dort als Sachbearbeiterin zuständig für die Job-Tickets der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und für die allgemeine Parkraumbewirtschaftung. Auf ihrem Schreibtisch steht ein großer 21 Zoll-Monitor, der - unterstützt durch Zoom-Text - das lesen wesentlich erleichtert.

Margot G. gehörte zu den Teilnehmern, die im Berufsförderungswerk Düren erfolgreich an der viermonatigen 'Qualifizierungsmaßnahmen für arbeitslose Schwerbehinderte' teilgenommen haben. Seit 1997 führt das nordrhein-westfälische Innenministerium in Kooperation mit dem Landesarbeitsamt und den Hausptfürsorgestellen Rheinland und Westfalen in den Berufsförderungswerken Düren und Oberhausen solche Qualifizierungslehrgänge durch.

Sicherer Arbeitsplatz winkt
Der große Vorteil für die Teilnehmer: Ihnen ist ein Arbeitsplatz sicher, wenn sie die Zusatzqualifikation erfolgreich beenden. So haben seit Initiierungen des Projektes insgesamt vierzehn sehbehinderte Arbeitslose eine unbefristete Stelle gefunden - als Sachbearbeiter im Finanzamt Köln, im Polizeipräsidium Oberhausen, im Staatlichen Prüfungsamt Dortmund oder an der Universität Bochum, um nur einige Beispiele zu nennen. Allgemeines Verwaltungsrecht, Haushalts- und Anordnungswesen, Reisekostenrecht, Arbeits-, Tarif- und Vergütungsrecht sowie die allgemeine Datenverarbeitung sind zentrale Themenbereiche, die während der Qualifizierungsmaßnahme vertiefend behandelt werden. Sie werden ergänzt um Fragen des Staats-, Verfassungs- und Europarechtes. 'Neben dem Fachwissen habe ich vor allem auch gelernt, wo ich in juristischen Texten das finde, was ich brauche', beurteilt Margot G. den Intensivkurs. Angesichts des überaus positiven Verlaufs der einzelnen Lehrgänge setzt das Innenministerium die Qualifizierungsmaßnahme im BFW Düren fort. Die nächste beginnt wieder im September, Anmeldungen sind bereits jetzt beim zuständigen Teamleiter Leo Goll (02421) 598215 möglich.

Rückkehr in das Erwerbsleben
Für Margot G. war der Lehrgang die letzte, aber auch die wichtigste Stufe zur beruflichen Integration. Die gebürtige Rheinländerin mit einem Restsehvermögen von zehn Prozent hatte nach dem Besuch von Grund- und Hauptschule einige Jahre als angelernte Verkäuferin in einem Kaufhaus gearbeitet, ehe sie heiratete, zwei Kinder bekam und über viele Jahre als Hausfrau und Mutter tätig war. Mit 37 stand für sie dann fest, dass dies nicht alles gewesen sein konnte und sie plante ihre Rückkehr ins Erwerbsleben. Ihr Ziel: eine qualifizierte Ausbildung zur Verwaltungsfachangestellten. Dazu musste sie allerdings erst noch den 10-er-Hauptschullabschluss nachholen.

In der Dürener Weiterbildungseinrichtung absolvierte sie dann - nach einem halbjährigen Vorkurs zur weiteren Auffrischung allgemeiner Kenntnisse und Fertigkeiten - die zweijährige Ausbildung zur Verwaltungsfachangestellten. Es folgte überganglos der Qualifizierungslehrgang des Landes NRW.
Was sich im Nachhinein so mühelos liest, war in Wirklichkeit eine enorme Anstrengung. 'Nach den langen Jahren als Hausfrau waren die verschiedenen Ausbildungsabschnitte alles andere als leicht für mich. Ich habe fast mein ganzes Leben darauf ausgerichtet', so Margot G. Mit ihrem erfolgreichen beruflichen Werdegang will sie anderen Sehbehinderten und Blinden ganz bewusst Mut machen. 'Man kann viel erreichen, wenn man nicht gleich bei den ersten Schwierigkeiten resigniert, sondern sich durchbeißt.' Margot G. hat mir mit ihrer neuen Arbeitsstelle sicherlich Glück gehabt, doch das fiel ihr nicht in den Schoß.


Weitere Informationen:


Schlagworte:
Informationen in der ICF:


Mehr zum Thema:


Berufsförderungswerk Düren | REHADAT-Angebote und Adressen | REHADAT-Angebote und Adressen




Dokumentart:


Zeitschriftenbeitrag




Bezugsmöglichkeit:


Verbandszeitschrift Sichtweisen (vormals: 'Die Gegenwart')
Homepage: https://www.dbsv.org/verbandszeitschrift-sichtweisen.html

Sichtweisen erscheint in verschiedenen Formaten: als sehbehindertengerechte Schwarzschrift-Ausgabe, in Punktschrift zum Lesen mit den Fingern oder zum Hören auf der DAISY-CD 'DBSV-Inform', die zusätzlich die Hörzeitschriften der DBSV-Landesvereine enthält.

Um Literatur zu beziehen, wenden Sie sich bitte an Bibliotheken, die Herausgeber, den Verlag oder an den Buch- und Zeitschriftenhandel.



Referenznummer:

R/ZS0114/3069


Informationsstand: 22.01.2001

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