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Bibliographische Angaben zur Publikation

Die BITV: Ein geeignetes Instrument zur Sicherstellung der Barrierefreiheit


Autor/in:

Warnke, Karsten


Herausgeber/in:

Deutscher Verein der Blinden und Sehbehinderten in Studium und Beruf e.V. (DVBS); Deutsche Blindenstudienanstalt e.V. (blista)


Quelle:

horus - Marburger Beiträge, 2005, 67. Jahrgang (Heft 6), Seite 274-277, Marburg: DVBS, ISSN: 0724-7389


Jahr:

2005



Abstract:


Zur Überprüfung der Barrierefreien Informationstechnik-Verordnung (BITV) verteilte das Bundesministerium des Inneren (BMI) Fragebögen zur Folgenabschätzung der BITV an die Behindertenverbände. Karsten Warnke, BIK-Projektkoordinator und 2.Vorsitzender des DVBS, geht auf die Fragen des BMI ein und bezieht zu einigen Positionen Stellung.

Die Umsetzung der BITV in der Bundesverwaltung wurde erfolgreich umgesetzt, wie am Beispiel der barrierefreien Internetseiten einiger Bundesministerien zu sehen ist. Die Anforderungen der BITV sind dem Testergebnis nach zu urteilen nicht zu hoch. Insgesamt sind die Zugänglichkeitsanforderungen erfüllt, bei untergeordneten Behördern und Dienststellen hingegen wurde mit der Umgesetzung noch nicht begonnen.

Die BITV eignet sich zur Sicherung der Barrierefreiheit. Doch eine Debatte zu Beginn des Jahres zeigt, dass nicht alle diese Meinung vertreten. Einige Bundesländer äußerten Bedenken bei der 1:1-Übernahme der BITV auf Länderebene. Webtechnologien wie PDF-Dokumente oder JavaScript sind nicht in der BITV aufgeführt, müssen dennoch ein angemessenes Format haben, das heißt für alle Nutzer zugänglich sein. Zunehmend wird auf eine Trennung von Inhalt und Darstellung mit Hilfe von Style Sheets gesetzt. Dies hat zur Folge, dass langfristig Betriebskosten gesenkt werden können und Barrierefreiheit gewährleistet wird.

Berechtigt ist die Kritik, dass der Begriff der Barrierefreiheit zu eng gefasst sei, so Warnke. 'Das ist auch so gewollt', denn die BITV-Anforderungen und die Bedingungen beziehen sich nur auf die Nutzung des Internets von Menschen mit Behinderung. Die üblichen Standards und Vorschriften hinsichtlich Software-Ergonomie sollen mit Barrierefreiheit ergänzt werden.

Eine weitere Frage war, ob Zielgruppenorientierung zur Barrierefreiheit führt. Generell lassen sich Barrieren überwinden, wenn sich Webagenturen an den Bedürfnissen ihrer Zielgruppe orientieren. Ein wichtiger Bestandteil der Nutzerfreundlichkeit ist daher die Barrierefreiheit, ohne jedoch behinderte Kunden als 'exotische Zielgruppe' zu betrachten.

Da das Internet ein visuelles Medium ist, können blinde und sehbehinderte Menschen nur mit besonderer Softwaren das Internet nutzen. Kritiker meinen, dass die BITV-Anforderungen zu blinden- und sehbehindertenlastig sind. Vor diesem Hintergrund, so Warnke, sei die Feststellung nicht erstaunlich. Dies führe aber nicht zur Benachteiligung anderer behinderter Menschen. Anzumerken ist jedoch, dass die BITV-Anforderungen nicht die Bedürfnisse aller behinderten Nutzer erfüllt.

Nach Testverfahren wurde festgestellt, dass einige Anforderungen nicht mehr zeitgemäß sind. Hier wird eine Bestandsaufnahme, in deren Zuge nicht mehr relevante Anforderungen gestrichen werden sollen, Abhilfe schaffen.

Die Umsetzung von BITV 'wird uns noch lange begleiten, besonders diejenigen, die die Qualität von Internetseiten auf Dauer sicherstellen müssen', so Warnke. Um Barrierefreiheit nachhaltig zu sichern bedarf es umfassender Schulungen von Webredakteurinnen und -redakteuren. In diesem Zusammenhang wäre ein Kriterienkatalog für Redaktionssysteme wichtig. Für den privaten Anbieter ist die Barrierefreiheit nach wie vor freiwillig. Dies sollte auch in der Zukunft gefordert und gefördert werden.

Im Prozess der barrierefreien Gestaltung von Internetseiten ist die BITV eine treibende Kraft. Anbieter merken zunehmend, dass Barrierefreiheit wesentlich zur Kundenzufriedenheit und Benutzerfreundlichkeit beitragen und setzten auf die von BITV gesetzten Maßstäbe.

Vom Gesetzgeber wird vorgeschrieben, dass die Bundesdienststellen die BITV umsetzten. Um mit den Projektangeboten dazu beizutragen, dass genügend Akzeptanz und Substanz zu Umsetzung dieser Rechtsverordnung vorhanden ist, 'benötigen wir weiterhin nicht nur die politisch-moralische, sondern auch die aktive und finanzielle Unterstützung aus Bund und Ländern', so Warnke.

Abschließend sei zu sagen, dass die Umsetzung der BITV Zeit brauche. Von großer Bedeutung sei, dass die Anforderungen auch praxisnah umsetzbar sind.


Weitere Informationen:


Schlagworte:
Informationen in der ICF:


Dokumentart:


Zeitschriftenbeitrag




Bezugsmöglichkeit:


horus - Marburger Beiträge
Homepage: https://www.dvbs-online.de/index.php/publikationen/horus

Die Fachzeitschrift erscheint viermal jährlich in Schwarzschrift, Blindenschrift und als 'horus digital' auf CD.

Um Literatur zu beziehen, wenden Sie sich bitte an Bibliotheken, die Herausgeber, den Verlag oder an den Buch- und Zeitschriftenhandel.



Referenznummer:

R/ZS0073/0031


Informationsstand: 04.01.2006

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