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Bibliographische Angaben zur Publikation

Blinde und sehbehinderte Menschen als Manager ihrer eigenen Behinderung - eigene Erfahrungen und kritische Überlegungen im Rahmen einer autobiografischen Skizze

Teil 1: Kindheit und Schulzeit



Autor/in:

Jacobs, Kurt


Herausgeber/in:

Deutscher Verein der Blinden und Sehbehinderten in Studium und Beruf e.V. (DVBS); Deutsche Blindenstudienanstalt e.V. (blista)


Quelle:

horus, 2005, 67. Jahrgang (Heft 6), Seite 268-270, Marburg: DVBS, ISSN: 0724-7389


Jahr:

2005



Abstract:


Prof. Dr. Kurt Jacobs ist seit seiner Kindheit sehbehindert. Er spricht im Rahmen des Artikels Probleme an, mit denen die betroffenen Personen und die Eltern konfrontiert werden, und verdeutlicht diese anhand eigener Erlebnisse.

Für Eltern ist eine Sehbehinderung nach der Geburt oft nicht sofort ersichtlich, sondern wird in der Regel erst dadurch erkannt, dass beispielsweise der Blickkontakt ausbleibt oder das Kind nicht nach Sachen greifen kann. Entwickelt sich hingegen eine Augenkrankheit mit der Folge einer Sehbehinderung erst in späteren Jahren interpretieren Eltern dies meistens als Unaufmerksamkeit oder Unkonzentriertheit.

Alan Ross beschreibt in seinem Buch 'Das Sonderkind' mögliche Abwehrmechanismen der Eltern, die nach der augenärztlich diagnostizierten Sehschädigung auftreten können. Besonders wichtig sind die Abwehrmechanismen der Verleugnung und der Überbehütung.

Der Abwehrmechanismus der Verleugnung führt häufig dazu, dass die Sehbehinderung zunächst ein 'Familiengeheimnis' bleibt und den anderen Familienmitgliedern signalisiert wird, nicht über die Behinderung zu sprechen. Dies hat zur Folge, dass das betroffene Kind alleine seine Behinderung und die damit verbundene Begrenzung erfahren muss.

Jacobs, dem in beiden Augen die Iris fehlt, merkte bereits als Kind, dass er anders behandelt wurde als seine Schwester. Er musste zu unzähligen Augenärzten und ertrug stillschweigend die Schmerzen nach seinem ersten Glaukomanfall, 'da dies alles ein Familiengeheimnis bleiben musste'.

Ebenfalls eine Folge des Abwehrmechanismus der Verleugnung ist die unbewusste Hoffnung, alles sei doch nicht so schlimm. Durch unbedachte Äußerungen wie 'Ach, schau mal da' machten Jacobs nicht nur deutlich, wie viel schlechter als andere er sehen konnte, sondern veranlassten ihn, auf die Suggestivfrage zu antworten, obwohl er nichts gesehen hatte.

Darüber hinaus wurden Jacobs Dinge wie das Erklettern eines Kirschbaumes oder das Fahrradfahren verboten. Lediglich die heimlichen Versuche und die Ermutigungsstrategien des Vaters verhinderten, dass die mütterlichen Ängste zu seinen eigenen Ängsten wurden.

Jacobs wurde entgegen des Rates seiner Lehrer in einem Gymnasium eingeschult. Die Aufnameprüfung bestand er allerdings erst beim zweiten Mal, da seine Eltern beim ersten Test das Lehrpersonal nicht über die Sehbehinderung informiert hatten.

Obwohl es in seiner Heimatstadt eine Sehbehindertenschule gab, wurde Jacobsen auf eine Grundschule für nichtbehinderte Schüler geschickt. Zwar bekam er ermutigenden Beistand seines Vaters und entwickelte mit der Zeit ein eigenes Management seiner Sehbehinderung, doch er bekam hin und wieder das 'Gefühl der inneren Vereinsamung' in seiner Behinderung.

Gegen die anfänglichen Hänseleien seiner Mitschüler wehrte er sich mit seiner überdurchschnittlichen körperlichen Stärke, die Akzeptanz der Lehrer gewann er durch gute Leistungen. Während seiner Schullaufbahn entwickelte er ein großes Maß an Selbstständigkeit und Durchsetzungsvermögen und schaffte es trotz seiner Einsamkeit einen 'gesunden Lebensoptimismus' zu entwickeln.

Für die Zukunft sieht Prof. Dr. Kurt Jacobs großen Beratungs- und Begleitbedarf bei den Eltern, damit diese nicht in die angeführten Abwehrmechanismen verfallen, sondern ihr Kind in einer angemessenen Form zu unterstützen und zu fördern.


Weitere Informationen:


Schlagworte:
Informationen in der ICF:


Mehr zum Thema:


Teil 2 des Artikels | REHADAT-Literatur




Dokumentart:


Zeitschriftenbeitrag




Bezugsmöglichkeit:


horus - Marburger Beiträge
Homepage: https://www.dvbs-online.de/index.php/publikationen/horus

Die Fachzeitschrift erscheint viermal jährlich in Schwarzschrift, Blindenschrift und als 'horus digital' auf CD.

Um Literatur zu beziehen, wenden Sie sich bitte an Bibliotheken, die Herausgeber, den Verlag oder an den Buch- und Zeitschriftenhandel.



Referenznummer:

R/ZS0073/0030A


Informationsstand: 03.01.2006

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