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Bibliographische Angaben zur Publikation

Durchstarten zur Beschäftigung - im bbw Südhessen

Ausbildungsbetriebe, VAmB und Praktika helfen beim Erwerb von Arbeitsmarktkompetenz und Selbstbewusstsein



Autor/in:

Seehof, Renée-Eve


Herausgeber/in:

Bundesarbeitsgemeinschaft der Berufsbildungswerke e.V. (BAG BBW)


Quelle:

Berufliche Rehabilitation, 2015, 29. Jahrgang (Heft 2), Seite 164-179, Freiburg im Breisgau: Lambertus, ISSN: 0931-0889


Jahr:

2015



Abstract:


Auf der Suche nach Auszubildenden erweisen sich Betriebe offen gegenüber Jugendlichen mit Behinderung - allerdings fehlen ihnen häufig Einschätzungen über deren Fähigkeiten und besonderen Bedarfe sowie Informationen über Unterstützungsmöglichkeiten während der Ausbildung. Auf der anderen Seite bringen (auch) viele Jugendliche mit Behinderung die gewünschten persönlichen und sozialen Kompetenzen (noch) nicht mit, die von den für die Einstellung Verantwortlichen in Unternehmen erwartet werden.

Die Autorin belegt diese Umstände anhand aktueller Studien und der wissenschaftlichen Evaluation des Projekts 'Durchstarter' im Berufsbildungswerk Südhessen (bbw SH). In einem zweiten Schritt legt sie dar, welche Schlüsse das bbw SH daraus gezogen hat. Neben einer verstärkten Vernetzung mit Betrieben und Beratung von Arbeitgebern gelten Außenorientierung in der Ausrichtung der Ausbildung und Arbeitsmarktkompetenz heute als Leitprinzipien des Berufsbildungswerkes.

Denn Beschäftigungsfähigkeit ist nicht theoretisch erlernbar, sondern nur durch systematisiertes und begleitetes berufliches Handeln unter Echtbedingungen. Daher richtet das bbw SH seine berufliche Qualifizierung konsequent auf einen branchenüblichen Berufsalltag aus: In eigenen Ausbildungsbetrieben, langen Praktikumsphasen und kooperativen Ausbildungsmodellen wie Verzahnte Ausbildung von Berufsbildungswerken mit Betrieben (VAmB) erwerben die angehenden Fachkräfte des bbw SH die Erfahrungen und Qualifikationen, die sie für den Einstieg ins Berufsleben brauchen.

Das Erleben der eigenen Leistungsfähigkeit ist - so belegt die Evaluation im Rahmen von 'Durchstarter' - eine wesentliche Voraussetzung für das Zutrauen, sich den Arbeitsmarktanforderungen zu stellen und im Beruf bestehen zu können. Weil das subjektive Gefühl, auf die Anforderungen der Arbeitswelt vorbereitet zu sein, in engem Zusammenhang mit dem eigenen Selbstwert steht, räumt das bbw SH dem Aufbau der sozialen, methodischen und personalen Kompetenzen großen Raum ein.

Dies geschieht auf Grundlage eines sog. '3-Säulen-Modells': Basis ist der individuelle Förder- und Integrationsprozess, darauf aufbauend Ausbildung in Ausbildungsbetrieben in enger Verknüpfung mit betrieblichen Praktika, VamB und Jobcoaching. Wesentlich hierbei ist: Die Wege und der jeweilige Unterstützungsbedarf werden ganz individuell definiert und vereinbart. Denn bei aller Marktorientierung geht es um den einzelnen jungen Menschen, d. h. das Setting im bbw SH muss dem den jungen Menschen folgen und erlauben, im jeweils passenden Rahmen und Tempo zu lernen.

Die Autorin macht deutlich, dass sich damit auch ganz entscheidend die Rolle und die Anforderungen an die MitarbeiterInnen ändern. Die Umsetzung verlangt eine veränderte professionelle Haltung, kostet daher zuweilen Überzeugungsarbeit und Zeit - doch machen auch die Erfolge deutlich, dass es sich lohnt.


Weitere Informationen:


Englisches Abstract:

Take-off into employment: Training organisations, VAmB and internships help to acquire workplace skills and self-confidence


Abstract:


Organisations prove to be open to youths with disabilities when searching for apprentices - however, they often lack an accurate assessment of the youths' capabilities and special needs as well as information on how to support them during the apprenticeship. On the other hand, many young people with disabilities do not (yet) bring the personal and social competencies desired by the persons responsible for recruitment in companies.

The author proves these conditions based on recent studies and on the scientific evaluation of the 'Durchstarter' project at bbw Südhessen. In a second step, she presents the conlusions bbw Südhessen has drawn. In addition to intensified networking with companies and employer counselling, an external orientation of apprenticeships and raised job market awareness have become guiding principles of the Berufsbildungswerk (bbw).

The insight is that employability cannot be learned theoretically, but only through a systematic and assisted professional practice in a real life environment. By consequence, bbw Südhessen strictly aligns its professional qualification programs with the everyday working life of the relevant industries: In own apprenticing companies and with long internship periods and cooperative apprenticeship models such as VAmB (Verzahnte Ausbildung mit Betriebe, integrated training with companies), the future specialists from bbw Südhessen acquire the experiences and qualifications necessary for a successful start into their working life.

The evaluation of 'Durchstarter' proves that experiencing one's own performance capabilities is an essential prerequisite for daring to face the challenges of the job market and for standing one's ground in working life. Since the subjective feeling to be prepared for the requirements of the professional world is closely linked to self-confidence and self-esteem, bbw Südhessen leaves much room for building up social, methodical and personal competencies.

This is done based on a 'three-pillar model': An individual assistance and integration process forms the basis for additional apprenticeships in companies which are closely interlinked with internships and integrated VAmB trainings. The essence of the philosophy is that all methods and assistance levels are defined and agreed on strictly based on the individual.

With all due market orientation, the focus remains on the single youth; that means, the setting at bbw needs to adapt to each young man or woman and allow them to learn at their pace and in a suitable framework. The author demonstrates that this also significantly changes the role and the requirements for employees: The successful implementation depends on a change in professional attitude, which sometimes needs some convincing and time for adoption. However, raised recruitment rates show that it is definitely worth the effort.


Schlagworte:
Informationen in der ICF:


Mehr zum Thema:


Adresse: Berufsbildungswerk Südhessen gGmbH




Dokumentart:


Zeitschriftenbeitrag / Forschungsergebnis




Bezugsmöglichkeit:


Berufliche Rehabilitation - Beiträge zur beruflichen und sozialen Teilhabe junger Menschen mit Behinderungen
Homepage: https://www.bagbbw.de/verband/fachzeitschrift/

Um Literatur zu beziehen, wenden Sie sich bitte an Bibliotheken, die Herausgeber, den Verlag oder an den Buch- und Zeitschriftenhandel.



Referenznummer:

R/ZS0062/0285


Informationsstand: 14.07.2015

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