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Bibliographische Angaben zur Publikation

Schnittstelle allgemeiner Arbeitsmarkt - Werkstatt für behinderte Menschen

Teil 1: Der Stand der bundesweiten Diskussion und die Strategie in Baden-Württemberg zur Werkstattvermeidung



Autor/in:

Ernst, Karl-Friedrich


Herausgeber/in:

k. A.


Quelle:

Behindertenrecht, 2008, 47. Jahrgang (Heft 5), Seite 125-132, München: Boorberg, ISSN: 0341-3888


Jahr:

2008



Abstract:


Karl-Friedrich Ernst, Vorsitzender der Bundesarbeitsgemeinschaft der Integrationsämter und Hauptfürsorgestellen und Leiter des Integrationsamtes des Kommunalverbandes für Jugend und Soziales Baden-Württemberg in Karlsruhe, geht auf den Stand der bundesweiten Diskussion bezüglich der Schnittstelle zwischen allgemeinem Arbeitsmarkt und der Werkstatt für behinderte Menschen ein und stellt die Strategien zur Werkstattvermeidung in Baden-Württemberg vor.

Aufgrund des stetig steigenden Bedarfs an Plätzen in den Werkstätten für behinderte Menschen wird in der Sozialpolitik über die Ursachen dieser Entwicklung diskutiert und nach Lösungen gesucht, um mehr behinderte Menschen in den allgemeinen Arbeitsmarkt zu integrieren. Zunächst geht er auf die Forderungen der Politik in Deutschland ein und kommt zu dem Schluss, dass in der Sozialpolitik überwiegend die Notwendigkeit gesehen wird, in diesem Aufgabenfeld Verbesserungen zu erreichen. Unterschiedlich gesehen würden hingegen die Wege, wie dies geschehen soll.

Anschließend fasst er wichtige Aspekte der Stellungnahme der Bundesarbeitsgemeinschaft der überörtlichen Träger der Sozialhilfe (BAGüS) und der Bundesarbeitsgemeinschaft der Integrationsämter und Hauptfürsorgestellen (BIH) über Schwachstellen an der Schnittstelle zwischen allgemeinem Arbeitsmarkt und der Werkstatt für behinderte Menschen zusammen. Gesetzlicher Änderungsbedarf besteht demnach zum Beispiel darin, dass die starke sozialrechtliche Absicherung der Werkstattbeschäftigten derzeit keine Anreize bietet, dass behinderte Menschen, die mit der richtigen Unterstützung in den allgemeinen Arbeitsmarkt integriert werden könnten, hierzu nicht motiviert werden. Weiterhin beschreibt die Stellungnahme Automatismen, die in den letzten Jahrzehnten bei allen Beteiligten entstanden sind. Diesbezüglich sieht sie den Bedarf, die Umsetzung des geltenden Rechts und die derzeitige Praxis der Eingliederung behinderter Menschen in eine Werkstatt für behinderte Menschen zu verändern.

Es gibt bereits einige gesetzgeberische Überlegungen, die sich jedoch noch im Stadium eines Referentenentwurfs des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS) befinden. So will das Bundesministerium für Arbeit und Soziales mit dem Fördertatbestand Unterstützte Beschäftigung zum Beispiel ein Instrument im SGB IX schaffen, das es ermöglicht, Menschen mit einem erheblichen Unterstützungsbedarf in Betriebe des allgemeinen Arbeitsmarktes einzugliedern. Bezüglich weiterer Maßnahmen geht der Autor zudem auf das neue Clearingverfahren der Bundesagentur für Arbeit (DIA-AM) und Integrationsprojekte ein, führt des Weiteren das Problem des Arbeitnehmerverleihs zwischen Integrationsprojekt und Werkstatt an und diskutiert die Erwerbsfähigkeit der Zielgruppe sowie die Frage der Zuständigkeit der Integrationsämter.

Da die jüngste Entwicklung hinsichtlich der praktischen Erfolge in Baden-Württemberg neue Maßstäbe gesetzt hat, stellt der Autor die Strategien der Werkstattvermeidung in diesem Bundesland vor. Bereits vor Jahren haben verschiedene Modellvorhaben immer wieder Anregungen für bundesweite Diskussionen gegeben. Seit dem Jahr 2005 hat der Kommunalverband für Jugend und Soziales Baden-Württemberg (KVJS) mit seiner Aktion 1000 verschiedene Maßnahmen ergriffen, um mehr behinderte Menschen auf den allgemeinen Arbeitsmarkt zu integrieren. Mit der Aktion soll erreicht werden, dass innerhalb von fünf Jahren 1000 Arbeitsplätze auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt zur Verfügung gestellt werden, wobei im Jahr 2007 bereits 718 Arbeitsverhältnisse erreicht wurden.

Das Integrationsamt hat innerhalb des Modells die wichtige Moderatorenrolle bei der Vernetzung der vielen Beteiligten übernommen und Konzeptionen mit entwickelt, die in den Bereich der anderen Leistungsträger hineinreichen. Hier wird zukünftig eine bessere Verteilung der arbeitsmäßigen Lasten erforderlich sein. Die bisherigen Ergebnisse der Aktion seien jedoch nur durch das Bündeln mehrerer Maßnahmen möglich gewesen. Hierzu zählen die Integrationsfachdienste, die Modelle Projekt Integrationscoach (PIC), Kooperative berufliche Bildung und Vorbereitung auf den allgemeinen Arbeitsmarkt (KoBV) und das Projekt Berufsvorbereitende Einrichtung (BVE) sowie das Arbeitsmarktprogramm Aktion Arbeit für schwerbehinderte Menschen.

Wesentliche Erfolgsfaktoren waren außerdem die Vernetzung im landesweiten Teilhabeausschuss, die regionale Berufswege und Netzwerkkonferenz, die Schaffung von Arbeitsplätzen in Integrationsprojekten sowie die Finanzierungsbeteiligung der Träger der Eingliederungshilfe. Selbstverständlich, so der Autor, könne die Entwicklung in Baden-Württemberg nur eine Anregung für die Entwicklung auf Bundesebene sein. Sie habe von der Zusammenarbeit der Schulen und der gesetzlichen Leistungsträger profitiert und könne im Wesentlichen mit dem bisherigen gesetzlichen Instrumentarium mit geringen Modifikationen auskommen. Abzuwarten bleibe, ob mit neuen und kostenintensiveren Leistungstatbeständen wie der Unterstützten Beschäftigung und DIA-AM mehr erreicht werden kann.


Weitere Informationen:


Schlagworte:
Informationen in der ICF:


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Teil 2 des Artikels | REHADAT-Literatur




Dokumentart:


Zeitschriftenbeitrag




Bezugsmöglichkeit:


Behindertenrecht - Fachzeitschrift für Fragen der Rehabilitation
Homepage: https://www.boorberg.de/3413888

Um Literatur zu beziehen, wenden Sie sich bitte an Bibliotheken, die Herausgeber, den Verlag oder an den Buch- und Zeitschriftenhandel.



Referenznummer:

R/ZS0059/6798A


Informationsstand: 17.10.2008

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