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Bibliographische Angaben zur Publikation

Hochgradige Schwerhörigkeit in der sozialgerichtlichen Rechtsprechung

Audiologische Abteilung und CI Centrum CICERO Hals-Nasen-Ohrenklinik, Universitätsklinikum Erlangen - Der Medizinischen Fakultät der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg zur Erlangung des Doktorgrades Dr. rer. biol. hum.



Autor/in:

Lottner, Anna


Herausgeber/in:

Universität Erlangen-Nürnberg - Medizinische Fakultät


Quelle:

Erlangen: Eigenverlag, Online-Ressource, 2019, 31 Seiten: PDF


Jahr:

2019



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Abstract:


Hintergrund und Ziele:

Patient*innen, die an hochgradiger Schwerhörigkeit leiden und bei denen Hörgeräte (HG) oder ein Cochleaimplantat (CI) medizinisch indiziert sind, können Schwierigkeiten haben, die Zusage der Kostenübernahme durch die Krankenversicherung oder einen anderen Kostenträger zu erhalten. Die Indikationskriterien für eine CI-Versorgung wurden in den vergangenen Dekaden erweitert ('Single-Sided Deafness' (SSD), elektrisch akustische Stimulation (EAS), bilaterale Versorgung, Versorgung bei sehr lange bestehender Taubheit), weswegen mehr und mehr Patient*innen für eine solche Versorgung in Frage kommen.

In der Folge kommt es auch immer öfter zu Auseinandersetzungen mit den gesetzlichen Krankenversicherungen hinsichtlich der Frage, ob diese die Kosten für Operation, Nachsorge und Rehabilitation tragen müssen. Außerdem ergeben sich oft weitere Probleme in Bezug auf die Übernahme der Folgekosten einer CI-Implantation durch die Krankenversicherung oder andere Kostenträger, die zum Beispiel im Rahmen der Eingliederungshilfe anfallen. Auch bei der Versorgung von Patient*innen mit Hörgeräten ist in vielen Fällen unklar, ob die Patient*innen einen Anspruch auf technisch weiter entwickelte und somit teurere Geräte haben oder nur auf Geräte zum Festbetrag. In der Arbeit wurde untersucht, wie die deutschen Sozialgerichte solche Streitfragen bisher entschieden haben.

Methoden:

Ausgewertet wurden die beiden größten kommerziellen deutschen juristischen Datenbanken sowie bezüglich der Fälle, in denen es um ein CI ging, auch die durch die Sozialgerichtsbarkeit selbst veröffentlichten Urteile. Suchparameter waren 'Cochlear', 'Cochlea', 'Implant' und 'Implantat' bzw. 'Hörgerät' und 'Zuzahlung'. Drei weitere Entscheidungen wurden durch direkte Anforderung beim entscheidenden Gericht erlangt, eine weitere Entscheidung einem Fachartikel entnommen. Die diskutierten Entscheidungen ergingen zwischen 2002 und 2019.

Ergebnisse:

Insgesamt wurden 122 Entscheidungen ausgewertet. Die Verfahren dauerten zwischen 0;2 und 10;4 Jahren. Bei der Frage, ob die Kosten für ein CI übernommen werden, gewannen die Patient*innen in allen Fällen bis auf einen den Rechtsstreit in der Hauptsache. Bei den untersuchten Urteilen und Beschlüssen zu den Folgekosten fielen 54 % positiv für die Patient*innen aus, bei denjenigen zu den Hörgeräten 63 %.

Schlussfolgerungen:

Die Arbeit zeigt, dass sich trotz des zeitlichen Aufwands eines Klageverfahrens die Beschreitung des Rechtswegs in vielen Fällen lohnen kann, vor allem wenn es sich um eine CI-Implantation handelt. Es wird empfohlen, im Falle der Ablehnung der Ansprüche, nach vorheriger sorgfältiger Abwägung aller Umstände, den Klageweg zu beschreiten.

[Aus: Referat der Autorin]


Weitere Informationen:


Englisches Abstract

Hochgradige Schwerhörigkeit in der sozialgerichtlichen Rechtsprechung


Abstract:


Background and Objectives:
Patients suffering from severe and profound deafness causing a medical indication for a hearing aid or a cochlear implant (CI) can have difficulties to get the consent of statutory health insurances or other insurance providers to cover the costs. Indication criteria for receiving a cochlear implant (CI) have widened over the last decades (single-sided deafness (SSD), electric acoustic stimulation (EAS), bilateral CI, CI in case of long-term deafness) and more and more patients come into consideration for such a treatment. Hence, disputes increasingly arise between patients and their statutory health insurance concerning the question whether surgery and follow-up treatment have to be paid for by the health insurance. Additional problems often arise concerning the question which further costs have to be covered by statutory insurances or other providers after the implantation, e.g. within the framework of integration aid. Also, when patients are provided with hearing aids, it is often unclear whether they are entitled to technically advanced and therefore more expensive hearing aids, or just to hearing aids for the reference cost. Goal of this work was to investigate how such disputes have been decided by the German social courts.

Methods:
A search was executed for judgments in the two biggest commercial German legal databases and, in the cases concerning cochlear implants, in the database of the German social courts. The search parameters were "Cochlear”, "Cochlea”, "Implant”, and "Implantat” respectively "Hörgerät” (hearing aid) and "Zuzahlung” (additional payment). Three verdicts were attained by directly contacting the court, another one was gathered from an article. The reviewed judgments were issued between 2002 and 2019.

Results:
A total of 122 judgments were analysed. The court proceedings took between 2 months, and 10 years and 4 months. In cases concerning the question whether or not the costs for a cochlear implant have to be paid for, all patients except one won the lawsuit in the main proceedings. Of the patients claiming further costs after the CI implantation 54% won their case, of the patients fighting for more advanced hearing aids 63%.

Conclusions:
The study shows that despite the amount of time the patient has to invest, taking legal action can be worthwhile in the majority of the cases, especially when it comes down to CI-surgery. Hence, it is recommended to take legal action, after thorough consideration, in cases where insurance providers refuse to meet expenses incurred.


Schlagworte:
Informationen in der ICF:


Dokumentart:


Graue Literatur / Forschungsergebnis / Online-Publikation




Bezugsmöglichkeit:


k. A.

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Referenznummer:

R/NV5041


Informationsstand: 17.02.2020

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