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Bibliographische Angaben zur Publikation

Die medizinisch-beruflich orientierte Rehabilitation in der Suchtrehabilitation - Status Quo und Entwicklungsbedarf aus empirischer Perspektive

Vortrag auf dem 23. Rehabilitationswissenschaftlichen Kolloquium vom 10. bis 12. März 2014 Karlsruhe



Sammelwerk / Reihe:

Arbeit - Gesundheit - Rehabilitation


Autor/in:

Egner, Uwe; Vorsatz, Nadine; Grünbeck, Peter [u. a.]


Herausgeber/in:

Deutsche Rentenversicherung Bund (DRV Bund)


Quelle:

Berlin: Eigenverlag, 2014, Seite 482-484


Jahr:

2014



Abstract:


Einleitung:

Die medizinisch-beruflich orientierte Rehabilitation (MBOR) stellt eine spezifische Behandlungsstrategie im Rahmen der medizinischen Rehabilitation im Auftrag der Deutschen Rentenversicherung dar, um den Reha-Erfolg bei RehabilitandInnen mit besonderen beruflichen Problemlagen (BBPL) - die Re-Integration in das Erwerbsleben - weiter zu optimieren. Die Anforderungen an eine erfolgreiche MBOR aus der Sicht der DRV sind in einem Anforderungsprofil definiert, welches indikationsübergreifend konzipiert wurde. Die Rehabilitation bei Abhängigkeitserkrankungen wird - trotz des sonst generischen Anspruchs des Anforderungsprofils - explizit ausgeklammert.

Der Beitrag widmet sich auf der Basis vorliegender empirischer Erkenntnisse insbesondere zwei Fragen:
(a) Ist die Zielgruppe der MBOR, Personen mit BBPL, auch bei Suchterkrankungen mithilfe der bekannten Kriterien identifizierbar?
(b) Welcher Entwicklungsstand bezüglich der Durchführung berufsbezogener Leistungen in der Rehabilitation bei Abhängigkeitserkrankungen kann konstatiert werden?

Methoden:

Der Beitrag verfolgt einen explizit empirischen Zugang am Beispiel der Rehabilitation bei Alkoholabhängigkeit und nutzt die Daten des Qualitätssicherungsprogramms der DRV Bund. Hierzu wird auf drei Datenquellen zurückgegriffen. Auf Basis der Klassifikation therapeutischer Leistungen (KTL) erfolgte eine Detailanalyse der Codes, die berufsbezogene Leistungen repräsentieren. Der sozialmedizinische Verlauf (SMV) zwei Jahre nach medizinischer Rehabilitation sowie die Rehabilitandenbefragung (RB) drei Monate nach Abschluss der Rehabilitation geben Aufschluss über die erwerbsbezogenen Risiken von RehabilitandInnen mit und ohne BBPL.

Eine BBPL war definiert durch:
(1) im Jahr vor der Rehabilitation mehr als 3 Monate Arbeitsunfähigkeit,
(2) bei Antragstellung arbeitslos gemeldet oder
(3) Leistungsfähigkeit von unter sechs Stunden in der letzten Tätigkeit laut Entlassungsbericht.
Die Analysebasis bildeten alle regulär abgeschlossenen stationären Entwöhnungsbehandlungen im Auftrag der DRV Bund wegen Alkoholabhängigkeit.

Für die KTL sowie die Rehabilitandenbefragung wurden alle entsprechenden Leistungen aus dem Jahr 2011 mit validen Datensätzen, für den sozialmedizinischen Verlauf alle abgeschlossenen Leistungen aus dem Jahr 2008 zugrunde gelegt. Damit basieren die Analysen auf folgenden Fallzahlen: n = 5.076 (KTL), n = 2.564 (SMV) beziehungsweise n = 1.115 (RB).

Ergebnisse:

(a) Eine BBPL wurde in allen drei Datensätzen bei etwa jeder zweiten Person angegeben (KTL: 53 Prozent, SMV: 49 Prozent, RB: 48 Prozent). Das Risiko eines Zugangs in Erwerbsminderungsrente (EMR) zwei Jahre nach der Rehabilitation war bei einer BBPL um das 4-fache höher (BBPL: 12 Prozent, ohne BBPL: 3 Prozent). Dagegen wiesen nur 13 Prozent der Personen mit BBPL in dieser Zeit einen lückenlosen Beschäftigungsverlauf auf (ohne BBPL: 41 Prozent). Auch in der Rehabilitandenbefragung zeigte sich dieses Bild. Die relativen Risiken für unterschiedliche negative berufliche Ereignisse war für Personen mit BBPL signifikant höher (arbeitslos gemeldet: RR=2,6; arbeitsunfähig: RR=2,4; Intention EMR-Antrag: RR=3,5).

(b) Laut KTL wurden in der Rehabilitation Alkoholabhängiger durchschnittlich 4 Stunden berufsbezogene Therapien pro Woche angeboten. Bezogen auf die durchschnittliche Gesamtdauer wurden damit insgesamt etwa 60 Stunden berufsbezogene Leistungen während der Rehabilitation durchgeführt. Allerdings konnte kein Unterschied zwischen Personen mit und ohne BBPL festgestellt werden. Dieses Bild zeigte sich auch hinsichtlich einzelner berufsbezogener Leistungen (Beratung Berufliche Perspektiven: 51 Prozent versus 43 Prozent; Umgang mit Arbeitslosigkeit: 25 Prozent versus 23 Prozent; Arbeitstherapie einzeln: 17 Prozent versus 15 Prozent; Arbeitsplatztraining: 3 Prozent versus 2 Prozent; Beobachtung zur Leistungsbeurteilung: 21 Prozent versus 20 Prozent).

Diskussion:

Die Analyse der potenziellen sozialmedizinischen Risiken der Gruppe mit BBPL zeigte eindrucksvoll, dass mit einer zukünftig stärker an den BBPL-Kriterien orientierten MBOR-Leistungsvergabe tatsächlich verstärkt Personen in den Fokus rücken, die im Anschluss an die Rehabilitation weitaus größere Probleme in ihrer beruflichen Teilhabe haben als Personen ohne BBPL. Sie weisen sowohl kurz- als auch mittelfristig in höheren Maße berufliche Risiken auf. Daraus lässt sich schließen, dass eine stärker an dieser Problemlage orientierte Behandlungsplanung auch in der Suchtrehabilitation sinnvoll ist. Demgegenüber zeigt die Analyse des aktuellen Leistungsgeschehen zwar, dass dem mit einer recht hohen Dosis berufsbezogener Therapie Rechnung getragen wird. Allerdings muss auch konstatiert werden, dass bislang kaum eine Differenzierung der Leistungsvergabe nach Vorliegen berufsbezogener Risiken erfolgte. An dieser Stelle sollten weitere Entwicklungen ansetzen, um eine bedarfsadäquate MBOR-Versorgung auch in der Suchtrehabilitation sicherzustellen.


Weitere Informationen:


Schlagworte:
Informationen in der ICF:


Mehr zum Thema:


Sammelwerk '23. Rehabilitationswissenschaftliches Kolloquium: Arbeit - Gesundheit - Rehabilitation' | REHADAT-Literatur




Dokumentart:


Sammelwerksbeitrag / Forschungsergebnis




Bezugsmöglichkeit:


Deutsche Rentenversicherung
Homepage: https://deutsche-rentenversicherung.de/
Homepage: https://www.deutsche-rentenversicherung.de/DRV/DE/Ueber-uns-...
Homepage: https://www.deutsche-rentenversicherung.de/DRV/DE/Experten/R...

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Referenznummer:

R/NV362288


Informationsstand: 28.07.2014

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