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Bibliographische Angaben zur Publikation

Eignen sich etablierte Kriterien zur Bestimmung einer besonderen beruflichen Problemlage für die Zuweisung neurologischer Rehabilitanden in die medizinisch-beruflich orientierte Rehabilitation?

Vortrag auf dem 23. Rehabilitationswissenschaftlichen Kolloquium vom 10. bis 12. März 2014 Karlsruhe



Sammelwerk / Reihe:

Arbeit - Gesundheit - Rehabilitation


Autor/in:

Neuderth, Silke; Lukasczik, Matthias; Schuler, Michael [u. a.]


Herausgeber/in:

Deutsche Rentenversicherung Bund (DRV Bund)


Quelle:

Berlin: Eigenverlag, 2014, Seite 57-59


Jahr:

2014



Abstract:


Hintergrund:

Screenings zur Identifikation besonderer beruflicher Problemlagen (BBPL) sagen Probleme beim Return to Work (RTW) vorher und werden in verschiedenen Indikationen erfolgreich zur Zuweisung in medizinisch-beruflich orientierte Rehabilitationsmaßnahmen (MBOR) verwendet. Bislang ist unklar, ob die in Screening-Verfahren erfassten Aspekte 'AU-Zeiten', 'Arbeitslosigkeit' und 'subjektive Erwerbsprognose (SPE)' auch bei neurologischen Rehabilitanden zur Prognose des RTW und zur Zuweisungssteuerung in eine MBOR-Maßnahme geeignet sind. So handelt es sich in der neurologischen Rehabilitation häufig um akute Ereignisse, bei denen keine relevanten AU-Zeiten im Vorfeld vorliegen. Zudem können kognitive Beeinträchtigungen und schwer prognostizierbare Krankheitsverläufe die realitätsangemessene Einschätzung der subjektiven Erwerbsprognose beeinträchtigen.

Es wird untersucht, ob die klassischen Kriterien einer BBPL (AU-Zeiten, Arbeitslosigkeit, SPE) auch bei neurologischen Patienten
a) zur Zuweisung von Rehabilitanden in die MBOR geeignet sind und
b) den sozialmedizinischen Status (Arbeitslosigkeit, AU-Tage, Rentenbegehren, subjektive berufliche Leistungsfähigkeit) sechs Monate nach der Rehabilitation vorhersagen können.

Explorativ wird geprüft, welche weiteren Kriterien die Zuweisung neurologischer Rehabilitanden zu einer MBOR-Maßnahme erleichtern beziehungsweise zur Prognose des sozialmedizinischen Status geeignet sind.

Methode:

Die Daten wurden in der Klinik Bavaria im Rahmen der Evaluation der MBO Kompakt-Neurowoche in Bad Kissingen erhoben. Die MBO Kompakt-Neurowoche wird im Anschluss an eine reguläre neurologische Rehabilitation durchgeführt. In die Auswertung wurden n= 430 Rehabilitanden verschiedener neurologischer Störungsbilder eingeschlossen (26,3 Prozent Frauen, Alter M=48,1 Jahre, 13,3 Prozent arbeitslos, AU-Dauer M=8,3 Wochen), von denen n=195 'nur' eine reguläre stationäre Rehabilitationsmaßnahme absolviert haben und n=235 anschließend an der MBO Kompakt Neurowoche teilgenommen haben.

Ergebnisse:

Es finden sich leichte negative Zusammenhänge (jeweils circa r=-0.2) zwischen der Zuweisung zur MBOR-Maßnahme durch das Behandlerteam und dem Vorliegen einer BBPL nach Würzburger Screening, Arbeitslosigkeit vor Reha und SPE-Skala: Maßnahmenteilnehmer weisen seltener eine BBPL auf als Nichtteilnehmer. Weder bezüglich Krankschreibung (Ja/Nein) und AU-Tagen vor Reha noch bezüglich der subjektiven beruflichen Leistungsfähigkeit fanden sich Zusammenhänge zur Zuweisungsentscheidung. Die berufsbezogene Behandlungsmotivation konnte als weiterer relevanter Prädiktor für die Maßnahmenzuweisung identifiziert werden (r=0.3). Sowohl bi- als auch multivariat erwies sich die subjektive berufliche Leistungsfähigkeit zu T0 als konsistenter Prädiktor für Indikatoren des sozialmedizinischen Status zu T3 (AU-Zeiten, Arbeitslosigkeit, subjektive Leistungsfähigkeit, SPE, jeweils r>0.3).

Diskussion:

Die Definition von BBPL ist am sozialmedizinischen Status nach der Reha - genauer: dem negativen RTW - orientiert. In der Neurologie erscheint es sinnvoller, den MBOR-Bedarf und sozialmedizinischen Status nach der Reha zu trennen. Während 'klassische Kriterien' (SPE-Skala, subjektive Leistungsfähigkeit) auch in der Neurologie geeignet sind, Indikatoren des sozialmedizinischen Status sechs Monate nach der Reha vorherzusagen, sind sie für die Zuweisung zu einer neurologischen MBOR-Maßnahme eher ungeeignet. Kriterien wie berufsbezogene Behandlungsmotivation erscheinen hilfreich, um Maßnahmenteilnehmer für die MBOR zu erkennen.


Weitere Informationen:


Schlagworte:
Informationen in der ICF:


Mehr zum Thema:


Sammelwerk '23. Rehabilitationswissenschaftliches Kolloquium: Arbeit - Gesundheit - Rehabilitation' | REHADAT-Literatur




Dokumentart:


Sammelwerksbeitrag / Forschungsergebnis




Bezugsmöglichkeit:


Deutsche Rentenversicherung Bund (DRV Bund)
Rehabilitationswissenschaftliches Kolloquium
Homepage: https://www.deutsche-rentenversicherung.de/DRV/DE/Experten/R...

Um Literatur zu beziehen, wenden Sie sich bitte an Bibliotheken, die Herausgeber, den Verlag oder an den Buch- und Zeitschriftenhandel.



Referenznummer:

R/NV362210


Informationsstand: 17.04.2014

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