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Bibliographische Angaben zur Publikation

Reha-Fallbegleitung bei Alkohol- und Drogenabhängigen mit erwerbsbezogenen Problemen - Was bleibt?

Vortrag auf dem 22. Rehabilitationswissenschaftlichen Kolloquium vom 4. bis 6. März 2013 Mainz



Sammelwerk / Reihe:

Teilhabe 2.0 - Reha neu denken?


Autor/in:

Glattacker, Manuela; Kainz, B.; Hauer, Johannes [u. a.]


Herausgeber/in:

Deutsche Rentenversicherung Bund (DRV Bund)


Quelle:

Berlin: Eigenverlag, 2013, Seite 492-494


Jahr:

2013



Abstract:


Hintergrund:

Vor dem Hintergrund verschiedener Problemstellungen in der Suchtrehabilitation (Fischer et al., 2007a, b; Missel et al., 2011; Kulick, 2009) - einer relativ hohen Quote von 'Therapiewiederholern' und 'Nichtantretern', einer schwierigen beruflichen Perspektivenentwicklung und Optimierungspotenzial im Hinblick auf das Schnittstellenmanagement - hat die Deutsche
Rentenversicherung Rheinland-Pfalz (DRV RLP) spezifisch für die Hochrisikogruppe von Reha-Wiederholern bzw. Nichtantretern mit erwerbsbezogenen Problemen das Modellprojekt 'Reha-Fallbegleitung' (RFB) entwickelt. Vorrangiges Ziel der RFB ist es, insbesondere das post-rehabilitative Schnittstellenmanagement sowie die Nachhaltigkeit der Rehabilitation bezogen auf den Erhalt der Abstinenz und die berufliche Wiedereingliederung zu verbessern. Zur Erreichung dieser Ziele steht den Versicherten von der Antragsbewilligung bis ½ Jahr nach Reha-Ende ein Reha-Fallbegleiter zur Seite. Das Konzept der RFB wurde zwischen 2008 und 2011 in 15 Fachkliniken für Entwöhnungsbehandlungen modellhaft erprobt und evaluiert. Im vorliegenden Beitrag werden Evaluationsergebnisse im Hinblick auf die Inanspruchnahme sowie die mittel- und langfristige Abstinenz und berufliche Wiedereingliederung der Versicherten berichtet.

Methoden:

Die Evaluation der RFB bzgl. der definierten Outcomes wurde mittels direkter und indirekter Veränderungsmessung unter Anwendung eines längsschnittlichen Prä-Post-Designs mit fünf Messzeitpunkten und unter Rückgriff auf überwiegend etablierte Fragebogeninstrumente (in Anlehnung an den Katamnesefragebogen des Fachausschusses Sucht des AHGWissenschaftsrates) durchgeführt.

Ergebnisse:

Von n=463 eligiblen Versicherten nahmen 67 % an der RFB und davon 73 % an deren Evaluation teil. 60 % waren drogenabhängige und 39 % alkoholabhängige Teilnehmer. Ca. 95 % der Versicherten haben innerhalb der letzten fünf Jahre mindestens eine Entwöhnungsbehandlung durchgeführt. Das Durchschnittsalter der Teilnehmer lag bei 36 Jahren (Drogen 32 Jahre, Alkohol 42 Jahre). 91 % der Stichprobe waren Männer, und die Erwerbsquote der Versicherten lag zu Reha-Beginn bei 9 %. Die Teilnahme an der RFB (durchschnittliche Dauer 8,8 Monate) war mit einer hohen Antritts- (93 %) sowie Beendigungsquote der Rehabilitation (74 %) assoziiert. Die Abstinenzquoten lagen unter Bezugnahme auf die Berechnungsform DGSS 3 (alle erreichten Patienten) zu den drei Messzeitpunkten in der Gesamtgruppe sowie in den beiden Diagnosegruppen nahezu stabil bei rund 65 %.

Nach der konservativsten Berechnungsform DGSS 4 (Nichtantworter werden als rückfällig eingestuft) sanken die Abstinenzquoten in der Gesamtgruppe von 29 % zum Ende der RFB (Alkohol 27 %, Drogen 30 %) auf 20 % (Alkohol 15 %, Drogen 24 %) zur 6-Monats-Katamnese bzw. auf 13 % (Alkohol 9 %, Drogen 16 %) zur Jahres-Katamnese. Bezogen auf die berufliche Integration waren in der Gruppe der antwortenden Versicherten am Ende der RFB 27 %, zur 6-Monats-Katamnese 41 % und zur Jahres-Katamnese 50 % erwerbstätig. Unter Einschluss der Nichtantworter und deren Einstufung als 'nicht erwerbstätig' lagen die entsprechenden Prozentwerte zum Ende der RFB bei 20 %, zur 6-Monats-Katamnese bei 12 % und zur Jahres-Katamnese bei 10 %. Es ist davon auszugehen, dass der 'wahre Wert' bzgl. Abstinenz und beruflicher Wiedereingliederung zwischen den beiden Berechnungsformen liegt. Die Ergebnisse der direkten Veränderungsmessung stützen im Wesentlichen die indirekt ermittelten Befunde.

Schlussfolgerung:

Die intendierte Zielgruppe wurde erreicht: Vergleicht man die Stichprobe der Teilnehmer der RFB mit Rehabilitanden, die 2009 in Fachkliniken für Alkohol-, Medikamenten- beziehungsweise Drogenabhängige behandelt wurden (Basisdokumentation des Fachverbands Sucht), so wird deutlich, dass es sich bei den Teilnehmern der RFB um eine hochselektive und schwer belastete
Stichprobe handelte, in der Stichprobenmerkmale übermäßig stark vertreten waren, die für eine (ungünstige) Prognose des Outcomes von hoher Relevanz sind. Vor diesem Hintergrund sind die Ergebnisse bzgl. der Inanspruchnahme der RFB sowie bzgl. der Antrittsquote und der Quote der planmäßigen Beendigung der Rehabilitation als sehr gut zu bewerten (Kainz et al., 2011). Aber auch die Ergebnisse hinsichtlich Abstinenz und beruflicher Wiedereingliederung sind durchaus vielversprechend. Gleichzeitig lieferte das Modellprojekt einige Ansatzpunkte, deren stärkere Berücksichtigung eine weitere Optimierung hinsichtlich der Ergebnisgrößen erwarten lässt.


Weitere Informationen:


Schlagworte:
Informationen in der ICF:


Mehr zum Thema:


Sammelwerk '22. Rehabilitationswissenschaftliches Kolloquium: Teilhabe 2.0 - Reha neu denken?' | REHADAT-Literatur




Dokumentart:


Sammelwerksbeitrag / Forschungsergebnis




Bezugsmöglichkeit:


Deutsche Rentenversicherung
Homepage: https://deutsche-rentenversicherung.de/
Homepage: https://www.deutsche-rentenversicherung.de/DRV/DE/Ueber-uns-...
Homepage: https://www.deutsche-rentenversicherung.de/DRV/DE/Experten/R...

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Referenznummer:

R/NV357388


Informationsstand: 05.06.2013

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