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Bibliographische Angaben zur Publikation

Menschen in Langzeitarbeitslosigkeit: Effekte eines Setting-basierten, partizipativen Angebots zur Gesundheitsförderung

Vortrag auf dem Zweiundzwanzigsten Rehabilitationswissenschaftlichen Kolloquium vom 4. bis 6. März 2013 Mainz



Sammelwerk / Reihe:

Teilhabe 2.0 - Reha neu denken?


Autor/in:

Angerer, Peter; Gündel, Harald; Heinmüller, M. [u. a.]


Herausgeber/in:

Deutsche Rentenversicherung Bund (DRV Bund)


Quelle:

Berlin: Eigenverlag, 2013, Seite 271-272


Jahr:

2013



Abstract:


Problemstellung:

Langzeitarbeitslose Menschen leiden häufiger unter psychischen Erkrankungen, insbesondere Depressionen und Angst, und haben ein erhöhtes Sterberisiko (Roelfs et al., 2011). Es gibt nur wenige spezifische, wissenschaftlich untersuchte Angebote zur Gesundheitsförderung. Das Forschungsvorhaben hatte die Entwicklung eines Gesundheitskompetenztraining (GKT) für verschiedene Settings der Arbeitsmarktförderung, und die Untersuchung von Umsetzung sowie Wirkung zum Ziel.

Methoden:

Intervention: In einer dreitägigen Schulung wurden pädagogische Mitarbeiter der Fördermaßnahmen zum 'Gesundheits-Coach' qualifiziert; anschließend boten sie das GKT ihren arbeitslosen Kunden an und wurden dabei regelmäßig durch Fallbesprechungen unterstützt. Kernelemente des GKT sind Einzelgespräche basierend auf 'motivierender Gesprächsführung' (mindestens zwei innerhalb von drei Monaten) und partizipative Gruppenaktivitäten, die Bewegung und weitere Elemente nach Wunsch der Teilnehmer zum Ziel hatten, wöchentlich 1-2 Stunden (Limm et al., 2012; Horns et al., 2012).

Die Intervention wurde in neun Einrichtungen in München und in einem Teil des Job Centers in Hannover angeboten (IG), neun vergleichbare Einrichtungen derselben Träger und ein anderer Teil des Job Centers dienten als Kontrollen (KG). Neben der formativen und summativen Prozessevaluation, der Effekte auf die Einrichtungen und die Mitarbeiter, wurden die Effekte auf Teilnehmerebene untersucht. Hauptzielparameter war die Änderung der körperlichen (PCS) und psychischen Funktionsfähigkeit nach drei Monaten (MCS) (beides SF12), Nebenzielparameter Ängste und Depressivität (HADS). Messzeitpunkte waren vor Beginn der Maßnahme, sowie drei und 12 Monate danach.

Ergebnisse:

365 erwerbsfähige SGB II-Leistungsempfänger (44±11 Jahre, 58 % Frauen) wurden eingeschlossen, 287 (79 %) nahmen an dem Follow-up nach drei Monaten, 148 (41 %) an dem nach einem Jahr teil. Zu Studienbeginn hatten insgesamt 47 % der Studienteilnehmer erhöhte Werte für Ängste, 37 % für Depressivität. Die Prozessevaluation zeigte eine gute Umsetzung des GKT, die Intervention wurde in der Befragung von Maßnahmenträgern, Gesundheits-Coaches und Studienteilnehmern positiv bewertet: In der Follow-up-Befragung nach drei Monaten Praxisphase bewerteten 90 % bzw. 95 % der Gesundheits-Coaches (n=22) die FIT-Beratung bzw. die FIT-AG als hilfreich für die Arbeit mit den KlientInnen. Auf einer visuellen Analog-Skala mit Werten von 0 (überhaupt nicht hilfreich) bis 10 (sehr hilfreich) lag die mittlere Einschätzung aller Studienteilnehmer der Interventionsgruppe für die FIT-AG bei 7,5 und für die FIT-Beratung bei 7,6. Nach drei Monaten fand sich in der Interventionsgruppe eine Verbesserung der körperlichen und psychischen Funktionsfähigkeit mit folgenden Effektstärken MCS: IG d=0.31, CG d=0.11, PCS: IG d=0.19, CG d=0.05; Angst: IG d=-0.33, CG d=0.01; Depressivität: IG d=-0.25, CG d=-0.06.

Zur Überprüfung von Interaktionseffekten (zwischen den Faktoren Gruppe und Zeit) wurde ein Random-Effects-Ansatz gewählt:
Für den Hauptoutcome MCS zeigte sich auf dem 10 % Niveau ein signifikanter Gruppenunterschied nach drei Monaten zugunsten der Interventionsgruppe. Kein Gruppenunterschied wurde beim PCS festgestellt. Ein signifikanter Interaktionseffekt zugunsten der IG auf dem 5 %- Niveau zeigte sich beim Zielparameter Angst.

Subgruppenanalysen zeigten weitere signifikante Interaktionseffekte zugunsten der Interventionsgruppe:
a) Für den PCS zeigte sich ein signifikanter Effekt in der Gruppe der Frauen.
b) In der Gruppe der Männer waren der MCS, Ängste und Depressivität (nahezu) signifikant verbessert.
c) Bei Teilnehmern ohne Migrationshintergrund verbesserten sich signifikant Ängste und Depressivität.
d) Ängste und Depressivität verbesserten sich auch in der Gruppe 50+ signifikant im Gruppenvergleich.
e) Für Personen mit 10-11 und mit >=12 Jahren Schulbildung reduzierten sich die Ängste in der IG stärker als in der CG.
f) Personen mit einer Arbeitslosigkeit von mehr als fünf Jahren profitierten besonders bei den Zielparametern MCS, Ängste und Depressivität.

Schlussfolgerung:

Die Ergebnisse belegen Bedarf, Umsetzbarkeit, Akzeptanz sowie gesundheitsförderliche Effekte des GKT.


Weitere Informationen:


Schlagworte:
Informationen in der ICF:


Mehr zum Thema:


Sammelwerk '22. Rehabilitationswissenschaftliches Kolloquium: Teilhabe 2.0 - Reha neu denken?'




Dokumentart:


Sammelwerksbeitrag / Forschungsergebnis




Bezugsmöglichkeit:


Deutsche Rentenversicherung Bund (DRV Bund)
Bereich Reha-Forschung > Reha-Kolloquium
Homepage: https://www.deutsche-rentenversicherung.de/DRV/DE/Experten/R...

Um Literatur zu beziehen, wenden Sie sich bitte an Bibliotheken, die Herausgeber, den Verlag oder an den Buch- und Zeitschriftenhandel.



Referenznummer:

R/NV357346


Informationsstand: 05.06.2013

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