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Bibliographische Angaben zur Publikation

Wie gelingt die Umsetzung des Anforderungsprofils zur Durchführung der medizinisch-beruflich orientierten Rehabilitation?

Vortrag auf dem Zweiundzwanzigsten Rehabilitationswissenschaftlichen Kolloquium vom 4. bis 6. März 2013 Mainz



Sammelwerk / Reihe:

Teilhabe 2.0 - Reha neu denken?


Autor/in:

Bethge, Matthias; Löffler, Stefan; Schwarz, Betje [u. a.]


Herausgeber/in:

Deutsche Rentenversicherung Bund (DRV Bund)


Quelle:

Berlin: Eigenverlag, 2013, Seite 246-248


Jahr:

2013



Abstract:


Hintergrund:

Die medizinisch-beruflich orientierte Rehabilitation (MBOR) verbessert die erwerbsbezogenen Teilhabechancen von Personen mit stark beeinträchtigter Funktionsfähigkeit (Bethge,2011; Bethge et al., 2011; Streibelt et al., 2009). Der Ausbau der MBOR ist daher erklärtes Ziel der Deutschen Rentenversicherung.

Eine trägerübergreifende Projektgruppe der Deutschen Rentenversicherung hat in diesem Zusammenhang Anforderungen und Empfehlungen zur Durchführung der MBOR erarbeitet (Deutsche Rentenversicherung Bund, 2010). Im Rahmen der Begleitstudie zur Erprobung des Anforderungsprofils (AP) sollte unter anderem geklärt werden, ob die im AP beschriebenen Inhalte, Ziele und therapeutischen Leistungsumfänge umsetzbar sind und wie deren Umsetzung aus Sicht der Rehabilitandinnen und Rehabilitanden bewertet wird.

Methoden:

Die Erprobung des AP wurde im Rahmen einer von der Deutschen Rentenversicherung Bund in Auftrag gegebenen multizentrischen Kohortenstudie in sieben stationären orthopädischen Rehabilitationszentren formativ evaluiert. Schriftliche Befragungen wurden am Beginn und Ende der MBOR sowie drei Monate nach Rehabilitationsende durchgeführt. Eingeschlossen wurden Rehabilitandinnen und Rehabilitanden mit den ICD- 10- Diagnosen M50 bis M54. Die Befragungen erfassten die Bewertung der berufsorientierten Angebote sowie die Veränderung erwerbsbezogener Aktivitäts- und Teilhabeindikatoren. Mittels linearer Regression wurde die prognostische Bedeutung des berufsorientierten therapeutischen Leistungsumfangs für die Arbeitsunfähigkeitsdauer nach der Rehabilitation bestimmt.

Ergebnisse:

375 Personen wurden am Beginn einer MBOR rekrutiert (mittleres Alter: 50,0 Jahre; 55,5 % weiblich). Am Rehabilitationsende antworteten 87,2 % (n = 327) der befragten Personen, nach 3 Monaten 71,2 % (n = 267). Einrichtungsübergreifend gaben knapp 90 % der Rehabilitandinnen und Rehabilitanden an, dass mit ihnen über ihre Erwerbsfähigkeit gesprochen wurde. 87,1 % ergänzten, dass mit ihnen über ihre konkreten körperlichen Arbeitsanforderungen gesprochen wurde und 69,5 % bestätigten dies auch in Bezug auf ihre psychischen Arbeitsanforderungen.

Deutliche Zusammenhänge zeigten sich zwischen dem Umfang der besprochenen berufsbezogenen Themen bzw. bearbeiteten Inhalte des Arbeitsplatztrainings und den subjektiv erreichten berufsbezogenen Rehabilitationszielen. Unterschiede zwischen den Einrichtungen offenbarten sich insbesondere bei der Umsetzung der berufsorientierten Diagnostik. So variierten die klinikspezifischen Anteile der Rehabilitandinnen bzw. Rehabilitanden, die angaben, an einem standardisierten Funktionstest der beruflichen Leistungsfähigkeit am Rehabilitationsbeginn teilgenommen zu haben, zwischen 12,8 % und 91,9 %. Die Auswertung der in den ärztlichen Entlassungsberichten dokumentierten therapeutischen Leistungen zeigte, dass der empfohlene Umfang der MBOR-Kernmaßnahmen in den Studienkliniken weitgehend umgesetzt wurde. Die Kliniken erbrachten im Rahmen von Sozialberatung, berufsbezogenen Gruppen und Arbeitsplatztraining im Mittel 11,2 Stunden (95 % KI: 10,9 bis 11,5) berufsorientierte Therapien. Die empfohlene Mindestmenge des Arbeitsplatztrainings wurde allerdings nur in drei von sieben Einrichtungen erreicht.

Drei Monate nach der Rehabilitation wurden im Klinikmittel für die überwiegende Zahl der betrachteten Zielkriterien signifikante Verbesserungen der Funktionsfähigkeit erreicht. Diese Verbesserungen waren für die am Arbeitsplatz erlebten Einschränkungen (d = 0,83; 95 % KI: 0,67 bis 0,99), die körperliche Summenskala des SF-36 (d = 0,58; 95 % KI: 0,42 bis 0,74) und die Arbeitsunfähigkeitsdauer (d = 0,49; 95 % KI: 0,34 bis 0,64) am größten. Die Ergebnisse waren u. a. mit dem Umfang berufsorientierter Leistungen während der Rehabilitation assoziiert: Fünf zusätzliche Stunden berufsbezogener Gruppen oder des Arbeitsplatztrainings gingen mit einer um 1,2 Wochen verringerten Arbeitsunfähigkeitsdauer drei Monate nach der Rehabilitation einher.

Schlussfolgerung:

Die Ergebnisse bestätigen, dass die Vorgaben des AP in der orthopädischen Rehabilitation umsetzbar sind, und legen zudem nahe, dass die im AP für die Kernmaßnahmen benannten Inhalte und Ziele sowie deren Umfang wesentliche Wirkbedingungen der MBOR sind. Das AP bildet eine gute Grundlage für den durch die Deutsche Rentenversicherung beabsichtigten Ausbau der MBOR.


Weitere Informationen:


Schlagworte:
Informationen in der ICF:


Mehr zum Thema:


Sammelwerk '22. Rehabilitationswissenschaftliches Kolloquium: Teilhabe 2.0 - Reha neu denken?'
Projekt MBOR-Management




Dokumentart:


Sammelwerksbeitrag / Forschungsergebnis




Bezugsmöglichkeit:


Deutsche Rentenversicherung Bund (DRV Bund)
Bereich Reha-Forschung > Reha-Kolloquium
Homepage: https://www.deutsche-rentenversicherung.de/DRV/DE/Experten/R...

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Referenznummer:

R/NV357335


Informationsstand: 05.06.2013

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