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Bibliographische Angaben zur Publikation

Nachhaltigkeit braucht verbindliche Vernetzung

Vortrag auf dem Zwanzigsten Rehabilitationswissenschaftlichen Kolloquium vom 14. bis 16. März 2011 in Bochum



Sammelwerk / Reihe:

Nachhaltigkeit durch Vernetzung


Autor/in:

Köpke, Karl-Heinz


Herausgeber/in:

Deutsche Rentenversicherung Bund (DRV Bund)


Quelle:

Berlin: Eigenverlag, 2011, Seite 253-254


Jahr:

2011



Abstract:


Hintergrund:

Die Umsetzung von Reha-Zielen in kleinen und mittleren Betrieben (KMU) untersuchte Köpke (2009) in einer empirischen Studie. Rechtsgrundlagen und Umsetzung wurden mit Ergebnissen einer Befragung von je zehn KMU in Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein gespiegelt. Dabei traten zahlreiche Mängel zu Tage. Sie mündeten in Verbesserungsvorschläge. Diese Studie erbrachte, dass Betriebe offen für Gesundheitsfragen Beschäftigter sind. Oft aber waren sie unzureichend informiert. Bei der Leistungserbringung mangelte es am koordinierten Vorgehen der Träger, beispielsweise bei betrieblicher Gesundheitsförderung (BGF) und betrieblichem Eingliederungsmanagement (BEM). Beide Instrumente konnten deshalb nur begrenzt zu einer Verstetigung des Reha-Erfolges beitragen. Verstärktes gemeinsames Handeln würde mehr Nachhaltigkeit bewirken.

Methode:

Eine feste Definition des Begriffes Vernetzung gibt es nicht. Deshalb wird als methodischer Ansatz ein breites Verständnis zu Grunde gelegt. Vernetzung beschreibt danach Vorgänge, in denen mehrere Akteure gesundheits- und erwerbsfähigkeitsorientiert kooperieren. Formalen Niederschlag findet gemeinsames Handeln etwa im SGB IX - so in den §§ 10, 11 und 12 sowie in den §§ 13 und 22 folgende - aber auch in Betriebs- beziehungsweise Dienstvereinbarungen. Praktisch vollzieht sich vernetztes Handeln in Arbeitskreisen, Arbeitsgemeinschaften, Vereinen und Projekten und in anderen Formen.

Ergebnisse:

Gesetzliche Krankenkassen sind verpflichtet, BGF-Leistungen zu erbringen. Dabei arbeiten sie mit dem zuständigen Unfallversicherungsträger zusammen (§ 20a SGB V). Die Studie ergab nun, dass Krankenkassen für die Arbeitswelt zwar ein vielfältiges Angebot zur Gesundheitsförderung und Prävention - unter anderem in § 20a SGB V - und zur Kuration und Rehabilitation vorhalten. Dass BGF-Maßnahmen in Betrieben durchgeführt wurden, meldeten in der Befragung aber nur wenige von ihnen. Dabei waren Träger der Unfallversicherung nicht beteiligt. Diese Bestandsaufnahme entspricht einer bundesweiten Auswertung durch den MDS.

Danach meldeten die GKV-Träger für das Jahr 2008 derartige Maßnahmen lediglich aus 4.788 Betrieben, zu einem Drittel mit Unfallversicherungsträgern gemeinsam. Damit wurden nur knapp eine Million Beschäftigte erreicht. Die geringe Verbreitung von BGF ist damit offenkundig. Präventiven Charakter hat auch § 84 SGB IX. Danach hat ein Arbeitgeber bei Arbeitsunfähigkeit eines Beschäftigten von länger als sechs Wochen - durchgehend oder unterbrochen - alles zu unternehmen, um diese möglichst zu überwinden und den Arbeitsplatz zu erhalten. Dabei hat er mit der Interessenvertretung und weiteren Akteuren zusammenzuarbeiten. Dazu hat die Studie erbracht, dass Wissen und Informiertheit über die Umsetzung der BEM-Verpflichtung nicht sonderlich weit verbreitet sind. Zwar berichteten einige Betriebe über entsprechende Maßnahmen. Doch nicht nur Betriebsärzte vermissten oft gemeinsames Handeln. Auch von der Hinzuziehung gemeinsamer Servicestellen, gegebenenfalls des Integrationsamtes, war nichts bekannt. BEM-Maßnahmen kommen danach nur wenig zum Einsatz.

Diskussion:

Die Bestandsaufnahme hat gezeigt, dass kooperatives Handeln bei BGF-Leistungen und BEM-Maßnahmen (noch) nicht ausreichend entwickelt sind. Es ist zu fragen, welche Bedingungen gegeben sein müssen, damit ein solchermaßen vernetztes Handeln verstärkt zum Tragen kommen kann. Vernetztes Handeln hat der Gesetzgeber vorgeschrieben, um die Versorgung eines Versicherten effektiver zu bewirken. Dazu erscheint es notwendig, dass Kooperations- beziehungsweise Netzwerkpartner gemeinsam in abgestimmter Aufgabenverteilung handeln. Dabei sollten sie darauf bedacht sein, dass alle den Bedarf des Versicherten tangierenden Träger oder Institutionen beteiligt werden. In welcher Form dies geschieht, ist nachrangig. Wesentlich ist allein die Verbindlichkeit des gemeinsamen Handelns. Verlässlichkeit und Sicherheit wären dann Garanten einer optimalen Versorgung.

Ausblick:

Die Studie hat gezeigt, dass es vielfältige Kooperationen gibt, darunter manche in der Form eines Netzwerkes. Wenn Nachhaltigkeit eines Reha-Erfolges bezweckt wird, bedarf es verstärkter Vernetzung mit Verbindlichkeit. Dies wäre das erstrebenswerte Kernstück einer wirksamen Netzwerkkultur.


Weitere Informationen:


Schlagworte:
Informationen in der ICF:


Mehr zum Thema:


Sammelwerk '20. Rehabilitationswissenschaftliches Kolloquium: Nachhaltigkeit durch Vernetzung' | REHADAT-Literatur




Dokumentart:


Sammelwerksbeitrag / Forschungsergebnis




Bezugsmöglichkeit:


Deutsche Rentenversicherung
Homepage: https://deutsche-rentenversicherung.de/
Homepage: https://www.deutsche-rentenversicherung.de/DRV/DE/Ueber-uns-...
Homepage: https://www.deutsche-rentenversicherung.de/DRV/DE/Experten/R...

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Referenznummer:

R/NV336645


Informationsstand: 29.03.2011

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