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Bibliographische Angaben zur Publikation

Reha-Qualität auf neuer Nachweisstufe - Umsetzung und Konsequenzen der Zertifizierung nach § 20 SGB IX

Vortrag auf dem Zwanzigsten Rehabilitationswissenschaftlichen Kolloquium vom 14. bis 16. März 2011 in Bochum



Sammelwerk / Reihe:

Nachhaltigkeit durch Vernetzung


Autor/in:

Petri, Bernd; Toepler, Edwin


Herausgeber/in:

Deutsche Rentenversicherung Bund (DRV Bund)


Quelle:

Berlin: Eigenverlag, 2011, Seite 117-120


Jahr:

2011



Abstract:


Gesetzlicher Auftrag:
Mit dem zum 1.04.2007 in Kraft getretenen Gesetz zur Stärkung des Wettbewerbs in der gesetzlichen Krankenversicherung wurde die Pflicht zur Qualitätssicherung um trägerübergreifend geltende Anforderungen an ein einrichtungsinternes Qualitätsmanagement ergänzt. Dazu wurde im SGB IX die Notwendigkeit eines unabhängigen Zertifizierungsverfahrens verankert (Petri, Stähler, 2008). Die Rehabilitationsträger haben daraufhin auf der Ebene der Bundesarbeitsgemeinschaft für Rehabilitation (BAR) grundsätzliche Anforderungen an interne Qualitätsmanagementsysteme sowie ein unabhängiges Zertifizierungsverfahren entwickelt, die in einer verbindlichen Vereinbarung zum 01.10.2009 verabschiedet wurden.

In der 14-monatigen Entwicklungszeit (April 2008 bis Juli 2009) nahm eine aus den Reha-Trägern (GKV, GRV, GUV, Träger der Kriegsopferfürsorge) zusammengesetzte Arbeitsgruppe eine Sichtung der bestehenden Zertifizierungsverfahren in der Rehabilitation vor. In die Entwicklung gingen auch die vorliegenden Erfahrungen aus den Vereinbarungen nach § 137 SGB V ein.

In einem gesonderten Stellungnahmeverfahren zeigte sich eine grundsätzliche Zustimmung seitens der Verbände der Leistungserbringer. Im Folgenden werden die Spezifika der entwickelten, grundsätzlichen Anforderungen herausgearbeitet sowie die Relevanz für die rehawissenschaftliche Forschung näherungsweise beleuchtet.

Indikatoren für rehaspezifische Qualitätsmanagementsysteme:
Eine wesentliche Zielsetzung für die Entwicklung der verbindlichen Anforderungen bestand darin, diese gesetzlichen Anforderungen auf den Auftrag und die Bedingungen der stationären, medizinischen Rehabilitation zu beziehen und insbesondere die Bedeutung individueller Rehabilitationsziele sowie des multiprofessionellen Rehabilitationsprozesses abzubilden. Ein Charakteristikum der grundsätzlichen Anforderungen ist daher in dieser reha-spezifischen Ausrichtung zu sehen. Sie unterscheiden sich in der Systematik von branchenübergreifenden Qualitätsmanagementmodellen wie der DIN/EN/ISO 9001:2008 oder dem EFQM-Modell. Es wurde jedoch darauf geachtet, eine grundsätzliche Kompatibilität zu diesen Modellen zu erreichen.

Begrifflich werden die grundsätzlichen Anforderungen in 11 sogenannten Qualitätskriterien gefasst, die wiederum in eine unterschiedliche Anzahl von Qualitätsindikatoren operationalisiert werden. Die Anzahl der Qualitätsindikatoren in den jeweiligen Kriterienbereichen macht die Schwerpunktsetzung der grundsätzlichen Anforderungen deutlich. Gefordert wird ein umfassendes, prozessorientiertes Managementsystem (Kriterium 5) mit deutlichem Fokus auf der internen Ergebnismessung und -analyse (Kriterium 9) sowie der konzeptionellen Fundierung (Kriterien 2 und 3).

So werden im Kriterium 3 für jede Indikation, an der ICF orientierte Rehabilitationskonzepte verlangt, welche die Vereinbarung individueller Rehabilitationsziele vorsehen. Kriterium 5 sieht ein vollständiges Prozessmanagementsystem aller qualitätsrelevanten Kernprozesse und Kriterium 8 den Einsatz von Assessments zu Rehabeginn und Rehaende. Die Kriterien fordern zudem zum Zwecke der internen Auswertung und der externen Überprüfbarkeit in der Regel eine Dokumentation und den Nachweis, dass der Qualitätsmanagementzyklus aus Planen, Umsetzen, Überprüfen und Optimieren eingehalten wurde.

Qualitätskriterien, Anzahl Qualitätsindikatoren:
1. Teilhabeorientiertes Leitbild 7
2. Einrichtungskonzept 8
3. Indikationsspezifische Rehabilitationskonzepte 7
4. Verantwortung für das Qualitätsmanagement 8
4.1 Verantwortung auf Leitungsebene
4.2 QM-Beauftrage/r
5. Basiselemente eines Qualitätsmanagement-Systems 19
5.1 Organisationsstruktur
5.2 Dokumentation, verantwortliche Kontrolle und Steuerung
5.3 Entwicklung von Qualitätszielen/Managementbewertung
5.4 Regelhafte Selbstüberprüfung wesentlicher Prozesse
5.5 Mitarbeiterbeteiligung aller Ebenen und Bereiche
6. Beziehungen zu Rehabilitanden/Bezugspersonen/ Angehörigen,
Behandlern, Leistungsträgern, Selbsthilfe 5
7. Systematisches Beschwerdemanagement 2
8. Externe Qualitätssicherung 4
9. Interne Ergebnismessung und -analyse 10
10. Fehlermanagement 4
11. Interne Kommunikation und Personalentwicklung 6

Relevanz für die Reha-Wissenschaften:
Mit diesen grundsätzlichen Anforderungen liegen erstmalig einheitliche, von Trägern und Erbringern gleichermaßen anerkannte Anforderungen an die Qualität der stationären, medizinischen Rehabilitation vor (Hibbeler, 2009).

Aus Sicht der Autoren bieten sie damit eine Grundlage und neuartige Gelegenheit die Qualität der deutschen Rehabilitation trägerübergreifend und interdisziplinär fortzuschreiben und nachzuweisen. Dazu bedarf es einer Begleitforschung, die
- die Komplexität und Wechselwirkungen der genannten Indikatoren untersucht,
- die Auswirkungen internen Qualitätsmanagements auf die Ergebnisse der externen Qualitätssicherung untersucht,
- die qualitätsrelevanten Einflüsse der Zugangssteuerung sowie die Potenziale der Nachsorgemöglichkeiten misst und analysiert,
- den Aufwand und Nutzen der in Zukunft flächendeckend durchgeführten Zertifizierungen misst und analysiert.

Ziel dieses Beitrages zum Reha-Kolloqium 2011 ist es, mit Reha-Wissenschaftlern und Reha-Praktikern Impulse für eine innovative Begleitforschung des § 20 Absatz 2 a. auszutauschen.


Weitere Informationen:


Schlagworte:
Informationen in der ICF:


Mehr zum Thema:


§ 37 SGB IX Qualitätssicherung, Zertifizierung | REHADAT-Recht
Sammelwerk '20. Rehabilitationswissenschaftliches Kolloquium: Nachhaltigkeit durch Vernetzung' | REHADAT-Literatur




Dokumentart:


Sammelwerksbeitrag / Forschungsergebnis




Bezugsmöglichkeit:


Deutsche Rentenversicherung Bund (DRV Bund)
Forschungsportal der Deutschen Rentenversicherung
Homepage: http://forschung.deutsche-rentenversicherung.de/ForschPortal...

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Referenznummer:

R/NV336615


Informationsstand: 29.03.2011

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