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Bibliographische Angaben zur Publikation

Was kann berufliche Belastungen kompensieren? Eine Fall-Kontroll-Studie zum Zusammenhang von beruflicher Gratifikationskrise, psychischen Erkrankungen und Erwerbstätigkeitsprognose

Vortrag auf dem 16. Rehabilitationswissenschaftlichen Kolloquium vom 26. bis 28. März 2007 in Berlin



Autor/in:

Lehr, Dirk; Hillert, Andreas; Sosnowsky, N. [u. a.]


Herausgeber/in:

Deutsche Rentenversicherung Bund (DRV Bund)


Quelle:

Deutsche Rentenversicherung, 2007, Sonderausgabe, Seite 52-54, Bad Homburg v. d. H.: wdv Gesellschaft für Medien und Kommunikation


Jahr:

2007



Abstract:


Pflegende Berufe und Lehrkräfte stehen im Zentrum des Interesses bei der Erforschung der Bedeutung beruflicher Belastungen für die Entstehung und Aufrechterhaltung psychischer Störungen. Nicht selten sind belastende Berufssituationen mit einem vorzeitigen Ausscheiden aus dem Erwerbsleben gepaart.

Die Autoren halten belastbare theoretische Rahmenmodelle zur systematischen Untersuchung der Beziehungen von Gesundheit und Arbeitsbedingungen für unabdingbar. Die berufliche Gratifikationskrise sei ein viel versprechendes Konzept für die Analyse von Arbeit und Gesundheit.

Im Modell der Gratifikationskrise werde beruflicher Stress als eine verletzte soziale Reziprozität beziehungsweise Fairness konzeptionalisiert: Je weniger extern geforderte berufliche Verausgabung durch angemessene Gratifikationen ausbalanciert wird, desto ungünstiger sind die gesundheitlichen Reaktionen. Die individuelle Neigung zu übersteigerter Verausgabung wirke sich zudem auf diese Balance aus.

Es wurden 222 Lehrkräfte in die Studie aufgenommen, wovon sich 92 in stationärer psychotherapeutischer Behandlung befanden (Alter = 51, SD = 7.6). Depressive Störungen entsprechend den ICD-10 Kriterien dominierten. Die gesunde Kontrollgruppe bildeten 130 arbeitsfähige Lehrkräfte (Alter = 46, SD = 8.2). Eingesetzt wurde der Fragebogen zur Messung der beruflichen Gratifikationskrise und die Skala zur Messung der subjektiven Erwerbstätigkeitsprognose.

In der Studie weise die Imbalance von extern geforderter Verausgabung und erhaltenen Gratifikationen eine starke Assoziation zu psychischen Störungen und der Erwerbstätigkeitsprognose auf. In der Berufsgruppe der Lehrer scheine die Wertschätzung, vor allem durch Vorgesetzte und Kollegen, die beruflichen Belastungen am stärksten kompensieren zu können. Die übersteigerte Verausgabungsneigung zeige entgegen der Erwartungen keinen unabhängigen gesundheitlichen Effekt. In einer laufenden Studie werde untersucht, inwieweit diese querschnittlichen Befunde auch längsschnittlich replizierbar sind.

Die Verfasser betonen das Vorliegen von Hinweisen auf eine Diskrepanz von objektiver und wahrgenommener Wertschätzung. Studien zur sozialen Wahrnehmung würden die Vermutung aufkommen lassen, dass Lehrkräfte stärker wertgeschätzt werden als dies empfunden wird. Im Kontext von personenbezogenen Interventionen solle diese Diskrepanz therapeutisch bearbeitet und die Kompetenz zur Selbstwertschätzung gestärkt werden. Zudem scheine es im Rahmen der betrieblichen Gesundheitsförderung notwendig, eine Kultur der Anerkennung und Wertschätzung zu etablieren.


Weitere Informationen:


Schlagworte:
Informationen in der ICF:


Mehr zum Thema:


Sammelwerk '16. Rehabilitationswissenschaftliches Kolloquium: Gesund älter werden - mit Prävention und Rehabilitaton' | REHADAT-Literatur




Dokumentart:


Zeitschriftenbeitrag / Forschungsergebnis




Bezugsmöglichkeit:


Deutsche Rentenversicherung
Homepage: https://www.deutsche-rentenversicherung.de/DRV/DE/Ueber-uns-...

Um Literatur zu beziehen, wenden Sie sich bitte an Bibliotheken, die Herausgeber, den Verlag oder an den Buch- und Zeitschriftenhandel.



Referenznummer:

R/GL137803


Informationsstand: 15.06.2007

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