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Psychische Erkrankung

1. Statistik der schwerbehinderten Menschen

Laut Schwerbehindertenstatistik litten Ende 2017 215.776 schwerbehinderte Menschen an einer endogenen Psychose, 369.256 an einer Neurose/Persönlichkeits- oder Verhaltensstörung und 58.635 waren suchtkrank.

2. DAK-Psychoreport 2015

Ausgewählte Ergebnisse

  • 2014 verursachten psychische Erkrankungen allein bei DAK-Versicherten 6,3 Millionen Fehltage - das waren knapp 17 Prozent aller Fehltage. Auf 100 DAK-Versicherte entfielen 237 Ausfalltage.
  • Seit 1997 hat sich die Anzahl der durch psychische Erkrankungen verursachten Fehltage verdreifacht (209 Prozent).
  • Parallel zur Zunahme der Fehltage durch psychische Erkrankungen sank die Zahl der Ausfalltage durch Kreislaufprobleme, Verdauungsbeschwerden oder Rückenschmerzen - alles typische Begleiterscheinungen von psychischen Problemen. Vermutet wird, dass die Akzeptanz der Diagnose psychische Erkrankung gestiegen ist.
  • Das AU-Geschehen wegen psychischer Diagnosen wird von wenigen Einzeldiagnosen bestritten: Depressionen, Anpassungsstörungen, Neurotische Störungen und somatoforme Störungen. Die herausragende Zunahme ist bei der Anpassungsstörung zu verzeichnen.

Für den Psychoreport wurden die Daten zur Arbeitsunfähigkeit von 2,6 Mio. bei der DAK versicherten Berufstätigen analysiert. Der Report wurde im Oktober 2015 veröffentlicht.

3. Gesundheitsberichterstattung des Bundes: Psychische Gesundheit

Ausgewählte Ergebnisse

  • 13 % der Frauen und 8 % der Männer sind nach eigenen Angaben seelisch belastet.
  • Bei Frauen sind die höchsten Prävalenzen seelischer Belastungen im Alter zwischen 18 und 29 Jahren sowie zwischen 45 und 64 Jahren festzustellen (jeweils 15 %). Bei den Männern liegt die Prävalenz seelischer Belastungen in der Altersgruppe der 45- bis 64-Jährigen am höchsten (10 %).
  • Frauen und Männer aus den unteren Bildungsgruppen geben häufiger seelische Belastungen an als Befragte aus den oberen Bildungsgruppen.
  • Frauen in der Region Ost (Nord) sind im Vergleich zu Frauen in Baden-Württemberg zu einem höheren Anteil seelisch belastet. Bei Männern sind keine wesentlichen Unterschiede zwischen den betrachteten Regionen zu erkennen.

In der Studie "Gesundheit in Deutschland aktuell 2012" (GEDA 2012) gaben über 19.000 Befragte zwischen Februar 2012 und März 2013 Auskunft zu ihrem Gesund­heits­zustand, ihrem Befinden, ihren Lebensgewohnheiten und ihren Lebensumständen. Mehr als 30 gesundheitsrelevante Themen von Asthma über Diabetes und Impfungen bis Zahnvorsorge werden in Faktenblättern dargestellt. Darin werden die Ergebnisse in nach Alter, Geschlecht und Bildung untergliederten Tabellen aufgeführt, regionale Unterschiede dargestellt, Kernaussagen formuliert und Ergebnisse bewertet. Die Studie wurde 2014 veröffentlicht.

4. Dritter Fortschrittsreport "Altersgerechte Arbeitswelt"

Ausgewählte Ergebnisse

  • psychische Erkrankungen verursachen inzwischen etwa 13 Prozent der Arbeitsunfähigkeitstage und stellen mittlerweile die häufigste Frühverrentungsursache dar
  • im Jahr 2011 entfielen etwa 59 Millionen Krankheitstage auf psychische Erkrankungen und Verhaltensstörungen, rund 10 Prozent mehr als ein Jahr zuvor
  • allein für das Jahr 2011 werden die Kosten des Produktionsausfalls aufgrund psychischer Erkrankungen auf knapp sechs Milliarden Euro geschätzt, die verursachten Krankheitskosten fast auf das Fünffache

Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales legt im September 2013 den dritten Fortschrittsreport "Altersgerechte Arbeitswelt" vor. Er widmet sich dem Thema "Länger gesund arbeiten" und bietet zudem aktualisierte statistische Daten zur Beschäftigungssituation Älterer.

5. IAB-Forschungsbericht: Menschen mit psychischen Störungen im SGB II

Ausgewählte Ergebnisse

  • 37 Prozent der SGB II-Leistungsbezieher weisen innerhalb eines Jahres eine psychiatrische Diagnose auf
  • ein großer Teil könnte mehr als drei Stunden pro Tag berufstätig sein
  • mehr als 40 Prozent der Neuzugänge in Erbwersminderungsrente sind mit einer psychischen Erkrankung begründet

Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) ist die Forschungseinrichtung der Bundesagentur für Arbeit und will mit der Publikation von Forschungsberichten der Fachöffentlichkeit Einblick in seine laufenden Arbeiten geben.

6. IDEA-Studie: Impact of Depression in the Workplace in Europe Audit

Ausgewählte Ergebnisse

  • mindestens 10 Prozent der befragen Arbeitnehmer haben schon einmal wegen einer Depression nicht gearbeitet
  • im Durchschnitt waren 36 Arbeitstage durch eine depressive Episode verloren
  • nahezu ein Drittel der Manager berichteten, dass sie keine Unterstützung erhielten, um adäquat auf depressive Arbeitnehmer zu reagieren
  • 43 Prozent der Befragten wünschten sich eine bessere Politik und Gesetzgebung zum Schutz von Arbeitnehmern

Im Oktober 2012 veröffentlichte die EDA die Befragungsergebnisse der IDEA-Studie (Impact of Depression in the Workplace in Europe Audit). Europaweit wurden 7.000 Arbeitnehmer und Manager zum Einfluss von Depression am Arbeitsplatz und zu daraus folgenden persönlichen und ökonomischen Belastungen befragt, und untersucht, wie diese in unterschiedlichen europäischen Ländern variieren.

Die European Depression Association (EDA) ist eine Allianz von Organisationen, Patienten und Forschern sowie im Gesundheitsbereich Tätigen aus 19 europäischen Ländern.

7. "Psychische Erkrankungen und gesundheitsbedingte Frühverrentung"

  • Rund 75.000 Versicherte bezogen 2012 erstmals eine Rente wegen Erwerbsminderung aufgrund psychischer Erkrankungen.
  • Sie sind durchschnittlich 49 Jahre alt.
  • Fast jede zweite neue Frührente ist inzwischen psychisch verursacht (42 Prozent). Dabei haben seit 2001 vor allem Depressionen (plus 96 Prozent), Persönlichkeits- und Verhaltensstörungen (plus 74 Prozent) sowie Suchterkrankungen (plus 49 Prozent) als Grund zugenommen.
  • Psychische Erkrankungen sind seit mehr als zehn Jahren die Hauptursache für gesundheitsbedingte Frührenten – mit großem Abstand vor körperlichen Erkrankungen.
  • Eine Erwerbsminderungsrente beträgt durchschnittlich rund 600 Euro.

Die Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK) wertet jährlich die Gesundheitsreporte der gesetzlichen Krankenkassen aus. 2013 wurden erstmalig auch die Angaben der Deutschen Rentenversicherung zu den jährlichen Rentenneuzugängen wegen erminderter Erwerbsfähigkeit ausgewertet.